Humanation

9. Kapitel: Aliens

Ming Guang gähnte herzhaft und blickte durch die kleine runde Luke des Shuttles, auf die näherkommenden Wolken unter ihr. Die Sonne stieg gerade auf der anderen Seite über dem Horizont und ließ die Wolken sanftrosa reflektieren. Das Shuttle von dem Gammaraumhafen nach Ying flog eine Kurve und tauchte langsam in den Wolkenozean über Anpin hinab, wobei es Nebelschleier aus den Wolken löste, die gemächlich aufstiegen den immer noch tiefblauen Morgenhimmel entgegen. Ein leises Schnarchen drang von einem Alten in einem geknitterten alten, brauen Anzug herüber. Die meisten Passagiere waren noch am Schlafen und ließen sich von dem periodisch piependen Anflugsignal auch nicht stören, da dieser Flug ihre Arbeitsroutine als Raumhafenangestellte gehörte. Aber Ming war ganz und gar nicht zum Schlafen zumute. Sie lächelte, denn endlich war sie wieder Zuhause. Es war ein gutes Gefühl angekommen zu sein. In ihrem Kopf spielten sich schon all jene alltäglichen Begebenheiten ab, wie die Vorlesung mit den ganzen Eliteschnöseln, das Teetrinken mit Professor Yonatan und ihr Schreibtisch in dem Labor auf dem sich die Proben bestimmt schon stapelten. All das erfüllte sie mit einem heimischen Gefühl und sie sog tief die Luft dieses neuen Tages auf. Das Shuttle hatte die Wolken nun voll durchdrungen und landet auf dem Lufthafen Anpin. Die Durchsage des Stewards weckt, dann endgültig die Passagiere, ohne dass sie ihr zu viel Aufmerksamkeit geschenkt hätten. Elegant setzte die Maschine auf und noch eh die ganze Durchsage endete, hatte jeder sein Gepäck bereits gegriffen und wartet nur noch ungeduldig darauf, dass die Türen endlich öffneten. Ming hatte nicht viel bei sich. Alles war mit ihrem Raumschiff vernichtet worden, bis auf ein paar neue Sachen, die sie sich hatte auf Paradis besorgen müssen. So nahm sie ihre schmale Tasche und ihren neuen, dunkelblauen, langen Mantel über den Arm und folgte der hinaustrottenden Menge die stählernen Gänge entlang bis in die Ankunftshalle. Sie maß dem Treiben in der Halle von den Angekommenen, die ihr Gepäck erwarteten, und einigen Wartenden, die hinter den Glasscheiben auf der anderen Seite der Gepäck und Identitätskontrolle auf Geschäftspartner oder Kunden warteten, keine Aufmerksamkeit bei. Sie passierte die Kontrolle aufgrund mangelnder Besitztümer fast ungestoppt und verließ nach einem kurzen DNA-Scan an dem Identitätskontrollpunkt das Lufthafengebäude. Ein frischer Wind auf dem grauen Vorplatz zwang sie ihren Mantel anzuziehen und sie stellte den großen Kragen auf gegen den Wind. Die Wolken, durch die sie geraden noch hinab auf die Oberfläche getaucht war, rissen auseinander und trieben fort über den morgenroten Himmel. Ming tippte auf den Computer, der noch immer an ihrem Arm befestigt war, und rief damit ein Taxi herbei. Sie blickt sich um und sah auch schon ein schwarzen, elegant, gewölbten, kleiner Wagen auf sich zukommen. Es hielt neben ihr und eine Tür fuhr hoch um sie einsteigen zu lassen. Sie setzte sich auf den einzigen Sitz, tippte in den Computer ihre Namen und ihre Kontodaten ein und überlegte, wo sie überhaupt hinfahren sollte. Ihr Kühlschrank würde leer sein. Mit einem Grinsen tippte sie die Campuswohnung Nummer 72 ein und startet dann Motor und fuhr los den Instruktionen des Taxinavigationsgeräts folgen.


Als sie ankam, hatten sich die Höhenwolken aufgelöst und der Himmel ließ einen direkten Blick auf Yang zu, der wie ein Spiegel am rosa Himmel leuchtet in den den Horizont knapp überragenden Sonnenstrahlen. Ming stoppt das Taxi nahm ihre schmale Tasche und stieg aus. Sie sog eine tiefen Atemzug der morgendlichen Luft ein. Es war ein wundervoller Morgen. Die Mittelpause musste bald beginnen. Sie folgte den von Unkraut umrahmten Bodenplatten und dem Haus 72 und zog an einer Schnur, die auf mechanische Art und Weise im Haus eine Silberglocke erklingen ließ. Die Tür öffnet sich von innen. "Ming Guang! Bin ich froh dich wieder zu sehen!" rief herzlich der kleine, alte Herr, der die Tür geöffnet hatte.

"Professor Yonatan! Die Freude ist ganz auf meiner Seite!", antworte sie.

Von drinnen war der Geruch von deftigem Mittelessen zu richen und aus der Küche drang leise das Geräusch von kochendem Wasser. Er trat beiseite um ihr Platz zu machen und wand sich direkt in die Küche um eine Tasse für sie zu besorgen, während er erklärte: "Ich habe mir schrecklich Sorgen gemacht. Wenn ich geahnt hätte, wie erst es dir ist diesen Brocken zu untersuchen, hätte ich dich noch eindringlicher gewahrt. Ich hab mir schon Vorwürfe gemacht."

Ming trat ein und schloss die Türen hinter sich. Sie hängte ihren Mantel an die Seite eines Bücherregals und trat in das Wohnzimmer, an dem Chaos in dem Raum hatte sich nichts geändert. Sie tippte vorsichtig die Nase eines antiken Raumfahrtschiffs, das über ihr hing, woraufhin sich ein größeres Mobile in Bewegung setze und das Raumschiff um ein silbernes Mondmodel um einen Kupfertürkisen Planeten zu kreisen begann. Sie lächelte, während sie Yonatans Worte aus der Küche zuhörte. Es war doch so gut Zuhause zu sein. Sie wandte sich um und setzte sich auf den Klappstuhl am Tisch. Eine edelstählerne Teekanne und Zucker und eine weißliche Flüssigkeit, die an Propoaqu erinnerte, aber tatsächlich eine Spur sanfter schmeckte, stand bereit. Die eine gläserne Tasse mit einem Stahlrahmen stand schon gefüllt auf dem Tisch. Der Professor kam aus der Küche und setzte sich zu ihr und blickte sie fragend an, während er seine Brille zurückschob. Ming lehnte sich zurück und lächelte: "Du hast dir zurecht Sorgen gemacht. Mein Raumschiff ist abgestürzt und ich wurde von Piraten gefangen und nur knapp davor gerettet mit deren Schiff unterzugehen. Also ich hab alles, was ich herausgefunden haben sofort wieder verloren."

Yonatan schüttelte den Kopf: "Etwas was man herausfindet, kann man nicht verlieren! Das bleibt hier!" und fasste sich gegen die Schläfe.

Ming Guang lächelte und stockte. Ihr Augen schienen zu Eis erstarrt zu sein, während ihr Unterkiefer sich der Gravitation hingab. Vollkommen bewegungs- und äußerungsunfähig blickte sie auf den weißen Stuhl mit dem rosa gestreiften Polster. Er stand in die Ecke vor ein Bücherregal gerückt, ein Kissen mit einer blauen Blume bestickt war davon hinabgefallen. Sie versuchte sich zu fassen, stotterte aber nur: "Das... wie..."

Was ihr ins Auge gefallen war, war nicht direkt der Stuhl, aber auf dem Stuhl. Da lag ihre Tasche. Die Tasche, die sie mit von Goon fortgenommen hatte, die Tasche, in die sie das Buch über die Arten auf Goon gesteckt hatte, die Tasche, die mit dem Piratenkreuzer mitten im All explodiert war und erfetzt worden war. DIESE Tasche lag einfach so da, als hätte sie sie gerade eben in ihrer Zerstreutheit dort abgelegt. Yonatan folgte ihrem Blick: "Oh ja -ich hab dir ja noch gar nichts gesagt- ich habe deine Tasche! Jemand wollte sie dir wieder geben."

Wie hypnotisiert stand Ming Guang auf: "Unmöglich!"

"Ming!", tönte vorsichtig eine helle, verlegene, aber glückliche Stimme hinter ihr. Ming drehte den Kopf und stolperte rückwärts gegen den Tisch. Sie schnappte nach Luft und fing laut an zu Lachen aus tiefsten Herzen zu Lachen so sehr, dass ihre Augen tränten, und rief laut: "UNMÖGLICH!!!"

Da stand sie von den Toten auferstanden, jung und frisch und mit dem selbem tiefen, herzlichen Lächeln wie immer, Hikari. Sie lebte! Sie war hier! Hikari war da! Sie schob den Stuhl beiseite und nahm dieses kleine von nichts zu zerstörende Mädchen in ihre Arme. Hikari erwiderte die Umarmung glücklich lachend. Ming fasste sie an beiden Armen und blickte ihr Gesicht lächelnd Kopf schüttelnd an. Sie war es wirklich. Wie konnte das sein? Vor ihrem inneren Auge schwebten noch die Trümmer des Kreuzers. "Ich hab auf dich gewartet", erklärte Hikari.

"Du bist so unmöglich!" rief Ming und nahm sie wieder in den Arm. Professor Yonatan blickte die beiden nur lächelnd fragen an. Ming fing laut an zu lachte und antwortet: "Das ist absolut unglaublich!"

Ming setzt sich strahlend wieder und blickte Hikari grinsend an. Hikari lächelt zurück und verschwand zurück in die Küche, ehe das Essen anbrannte. Ming trank erst einmal eine Tasse Tee mit einem Zug um sich zu beruhigen und begann: "Dieses unmögliche Mädchen, Hikari. Sie hat mich von Goon gerettet und aus den Händen der Piraten. Ihr verdankst du, dass ich hier hier sitze frisch und lebendig! Sie ist einer der außerordentlichsten Menschen."

Hikari kam zurück mit einem Tablett mit Tellern und Töpfen, deckte den Tisch und lachte verlegen: "Du übertreibst!" Sie setze sich zu ihnen.

Ming konnte nicht anders als sie anzustrahlen: "Aber wie kannst du hier sein? Wir haben das Schiff explodieren sehen nur wenige Augenblicke nachdem man uns hinübergebeamt hatte. Das ist doch unmöglich. Du warst noch in der Gefangenenzelle."

Hikari rieb sich verlegen den Nacken: "Nun ich denke, ihr habt die Piraten möglicherweise in ihrer Unmenschlichkeit etwas überschätzt. Der Kapitän hat mich befreit und ist mit mir in Syfor aus dem Schiff entkommen, bevor es explodiert ist."

Ming konnte nicht anders, als plötzlich eine tief Sympathie für den Piraten zu empfinden, der ihr Hikari sicher zurückgebracht hatte, ungeachtet aller logischen Abscheu.

Yonatan lächelte: "Lasst uns doch erstmal essen." Hikari und Ming nickten. Vielleicht, vielleicht gab es soetwas wie eine höhere Gerechtigkeit, dachte Ming lächelnd das vorzügliche frische Essen genießend.


Yonatan lehnte sich zurück und blickte seufzend auf die Wanduhr: "Meine Verlesung beginnt in 10 Minuten. Wenn ihr mich entschuldigen würdet..."

"Bis später Yonatan!" lächelte Hikari.

Ming ergänzte zwinkernd: "Viel Spaß!"

Yonatan lächelte, nahm seufzend seine Aktentasche und ging. Hikari machte sich daran den Tisch abzuräumen, während Ming in die Küche verschwand um eine neue Kanne Tee aufzusetzen. Als Hikari das Geschirr tragend in die Küche kam, fragte sie: "Im übrigen wie geht es Riano?"

Ming überlegte: "Das ich ihn gesehen habe ist schon eine Weile her, aber da ging es ihm physisch gut, psychisch scheint er deutlich sensibler zu sein, als ich es anfangs angenommen hatte. Das zeigt er zwar so wenig wie möglich. Doch es ist deutlich zu spüren, dass er dich vermisst."

Hikari blickte sie getroffen an. Ming nahm das kochende Wasser und schüttete es in eine blau-weiß gemusterte Keramikkanne und füllte zwei Löffel Fruchttee hinein, während sie erklärte:" Es ist aber besser, wenn er nichts weiß. Immerhin ist er ein Militär. Das würde ihm mindestens in Schwierigkeiten bringen."

Hikari seufzte und folgte Ming zurück ins Wohnzimmer. Ming stellte den Tee auf den gläsernen Couchetisch. Hikari hockte sich die Beine angezogen gegen die Polsterlehne des Sofas. Ming setzte sich in den roten Sessel, stützte den Kopf auf und fragte: "Weiß Yonatan eigentlich Bescheid?"

Hikari lächelte: "Nun er weiß es. Er hat mich fast sofort auf furianisch gefragt, als ich gesagt habe, dass ich dich suche, weil du deine Tasche liegen gelassen hast. Ich habe ihm auch die Implantate gezeigt. Allerdings..."

Sie machte eine Pause. Ming sah sie erwartungsvoll an: "Allerdings?"

Hikari schloss ihre Arme um ihre Knie und blickt auf zu Ming: "Allerdings gibt es noch etwas, was noch keiner weiß und niemand wissen darf."

Ming runzelte verwirrt die Stirn. Hikari setzte fort: "Alleine das Wissen ist gefährlich, aber ich will offen sein. Du sollst wissen in welche Gefahren du geraten kannst, wenn du in meiner Nähe bist."

Ming neigte rätselnd den Kopf. Hikari holte tief Luft und seufzte: "Um es kurz zu machen: Ich bin ein Cyborg."

Vier Worte die Mings Herzschlag erst aussetzen und dann drastisch beschleunigen ließen. Mit aufgerissenen Augen starrte Ming Hikari an. Doch Hikari nickte nur. Ming blieb die Luft weg und sie vergaß ganz zu atmen und wurde kreideweiß. Niemals, die Worte rauschten durch ihr Hirn und schlugen Kreise von Angst und Panik über ihren ganzen Verstand: "Ich bin ein Cyborg!" Der finsterste Albtraum, die Angst in der Dunkelheit, da war sie, da vor ihr. In diesem Mädchen steckte das schrecklichste Monster des Universums. Sie konnte es nicht glauben. Sie kannte dieses Mädchen inzwischen. Dieser Cyborg hatte ihr Leben gerettet. Wie konnte sie nur ein solches Monster sein? Die kalte Angst schoss durch ihre Vene und sie hauchte: "Wie kann das sein? Du hast mich gerettet! Wie? Du bist das nicht!"

Hikari seufzte. Ein Zucken durchlief Hikari und sie stand auf: "Es ist Schade! Aber du bist wohl noch nicht so weit."

Sie wandte sich der Tür zu. Die Gedanken rasten durch Mings Verstand. Sie hatte sie gerettet. Sie war der Cyborg. Sie war gefährlich. Sie hatte fast ihr Leben für einen Menschen geopfert. Sie hatte niemanden angegriffen, niemand verurteilt. Sie ging. Nein! Ming sprang auf. Das wollte sie nicht. Sie griff nach Hikaris Arm: "Geh nicht!"

Hikari drehte sich um und blickt sie an. Ming erklärte: " Mir geht es nicht darum, wer du bist. Ich hab gesehen, was du tust, und gemessen daran kenne ich kaum jemanden, in den ich mehr Vertrauen legen würde." Hikari lächelt über das ganze Gesicht: "Du hast ja doch verstanden!"

Hikari setzt sich wieder. Ming war noch zu aufgeregt um sich hin zu setzen und sie ging vor dem Kamin auf und ab und versuchte sich zu beruhigen und überlegte: "Also du bist ein Cyborg. Du bist also der Geist eines Computers in einer menschlichen Hülle..."

Ihr wurde ganz unwohl bei den Worten, sie fühlte eine Angst, dass Hikari, gleich aufspringen würde und anfangen würde alles zu zerstören und zu töten, weil sie nur eine Maschine war, die kein Grund hatte menschlichen Leben irgendeinen Wert beizumessen. Aber wenn sie die Angst mit der Hikari verglich, die sie kennen gelernt hatte, die einen Menschen wie Riano dazu gebracht hatte nicht zu töten und zu sterben, dann schien es absurd. "Du hast also einfach den Körper eines hilflosen Mädchens übernommen."

Hikari widersprach: "Nein, das ist nicht ganz so."

Ming blieb stehen und blickte sie an: "Und wie dann? Dann erzähl es mir!"

Hikari nickte und schenkt sich und Ming eine Tasse Tee ein, worauf hin Ming sich setzte und Hikari mit großen Augen skeptisch musterte. Hikari blickte verlegen auf die blaue Blume am Grund Tasse Tee in ihrer Hand und erklärte: "Ich bin nicht vollständig von einem Roboter übernommen, aber ich beanspruche auch keine vollständige Kontrolle. Ich und Cya teilen sich diesen Körper."

Ming wiederholte überrascht: "Du und Cya?"

Ein Zucken lief durch Hikari, sie blickte auf direkt in Mings Augen und stellte den Tee beiseite: "Ja, Ich bin Cya und das eben war Karina. Ich werde es dir erklären. Ich war einer der Wanderer. Hätte mich also am ehesten dem Cyclan zugeordnet, war aber lieber frei auf einer ewigen Reise in meinem Schiff. Es ist nicht so, dass ich mit meinem Roboterkörper nicht zufrieden gewesen wäre. Es war nicht mein Plan einen menschlichen Körper zu übernehmen. Nur dann habe wir Karina gefunden nahe den Trümmern eines auseinander brechenden Schiffs. Dem Schiff konnte nicht mehr geholfen werden, aber Karina. Ein Trümmerteil hatte sich durch ihr linkes Auge bis ins Gehirn gebohrt, ihr Arm war abgefetzt und die eine Seite ihres Bauches. Sie war am Sterben und dabei war sie erst 14. Um sie zu retten und am Leben zu erhalten habe ich mich mit ihr verbunden, sodass ihr Gehirn nicht starb und dann haben wir ihren Körper mithilfe der mechanischen Implantate repariert und meine neuronales Netz endgültig mit ihrem Gehirn verbunden hier drin."

Und Hikari klopfte gegen ihre linke Stirn. Ming staunt Hikari mit geöffnetem Mund an, fasste sich wieder und resümierte: "Also du bist ein Mensch und ein Roboter in einer Person und die Implantate sowie ein Teil neurales Netz sind notwendig um die Lebensfunktionen zu erhalten."

Hikari nickt und trank einen Schluck Tee. Ming fuhr fort: "Und beide von dir haben Zugriff auf die Kontrolle des Körpers?"

Hikari nickte wieder, ein Zucken durchlief sie. Sie lächelte Ming aufmunternd zu: "Cya hat mich so gerettet. Wir teilen einfach den Körper und die Erinnerungen, aber wir haben immer noch beide unsere Persönlichkeiten. Wir können auch ausruhen und einen alleine agieren lassen, aber wir haben immer beide die Möglichkeit zu entscheiden."

Ming blickte sie prüfend an: "Langsam erkenne ich. Das alles erklärt einiges, vorallem wie du von einer Sekunde auf die andere von einem freundlichen herzlichen Mädchen zu einer kompromisslosen, starken Frau werden kannst."

Hikaris Gesicht formte sich in einem Zucken von einem lieben Lächeln zu einem verhärteten gereizten Ausdruck: "Was heißt hier kompromisslos?" Aber Ming musste nur laut anfangen zu lachen.


Longfeng gähnte herzhaft. Es war ja auch für ihn noch schrecklich früh. Er rieb sich den Sand aus den Augen und setzte sich auf. Sirili summte glimmend hinab um seinen Kopf, um ihm einen guten Morgen zu wünschen, und landete auf der alten Holzkiste, die als Nachttisch diente, wo auf einem kleinen angesplitterten Teller noch ein Stückchen Obst für das leuchtende, zutrauliche Insekt bereit lag. Longfeng blickte zu Sirili, das sich mit den beiden Vorderarmen das Obst in seinen Mund schob, und lächelte. Irgendwie war es einfach ein gutes Gefühl sich um jemand zu kümmern und zu wissen, dass es ihm wohltat, dass man da war. Sirili vibrierte glücklich mit den Flügel und blickte mit deinen großen Facettenaugen Longfeng leuchtend an. Longfeng stubste ganz sanft mit dem Finger gegen Sirilis weiche Brust und schlüpfte in seine Pantoffeln und stand auf. Er kramte Kleidung hervor und zog sich an er hatte noch einige Stunden, bevor er in der Fabrik sein musste, aber er war trotzdem einigermaßen in Eile, denn er wollte Loflain treffen. Er warf sich eine abgewetzte Stofftasche um und nahm die Schlüssel, die an einem krummen Nagel neben der Tür hingen. Sirili, als es bemerkte das Longfeng gehen wollte, schwirrte schnell um ihn herum und setzte sich an die Knopfleiste seines karierten Hemds. Longfeng seufzte: "Du weißt doch, dass ich dich nicht mit nehmen kann. Das ist gefährlich."

Er blickte Sirili an, das keine Anstalten machte sich zu bewegen. Er öffnete seine Tasche: "Nagut. Dadrin oder gar nicht!" Sirili war kein dummes Tier und verstand diese Ausnahme inzwischen und flog sofort in die Tasche. Longfeng seufzte noch einmal und öffnete die Tür und verschloss sie hinter sich. Er dreht sich um und ließ vor Schreck den Schlüssel fallen. Hinter ihm saßen Izenal und Samjing, zwei seiner Mitbewohner und frühstückten offensichtlich. So früh? Er hatte nicht erwartet, dass schon jemand wach wäre. Sie grüßten sich, sich skeptisch beäugend. Aber weder wollte Longfeng wissen, was sie trieben, noch hatte er die Zeit dafür. Er entschuldigte sich nur mit: "Konntet ihr auch nicht schlafen? Ich geh einkaufen. Bis Bald." und verließ eilig die Wohnung. Während er die noch leeren Straßen entlanglief in Richtung der alten stillgelegten Fabriken, rumorten die Gedanken in ihm, jene unangenehmen, hypothetischen Gedanken, was wenn es kein Zufall war, dass Izenal und Samjing schon wach waren und spät zurückkamen, was wenn sie teil von etwas waren, wenn sie fehl geleitet wurden. Er wollte sie nicht verraten müssen, also wollte er wegschauen. Aber das nicht sehen bereitete ihm noch mehr Sorgen. Ihm lag einiges an seinen Mitbewohnern, anders als in gewöhnlichen Wohngruppen. Wenn Mirkel etwas herausfand, dann konnte es gefährlich werden. Mirkel verstand in diesen Dingen keinen Spaß und er hatte keinen Skrupel jemand anzuschwärzen, für ein bisschen mehr Komfort. Irgendwie wollte Longfeng sie beschützen und aus der Gefahr wissen.

Er war inzwischen aus den Wohnvierteln herausgekommen und die verrottenden Fabrikgebäude tauchten vor ihm auf. Er schlüpfte durch eine Lücke in einem schiefen Zaun und holte tief Luft. Die Sonne blinkte steigend von Zeit zu Zeit zwischen den Häusern durch. Es war ein wunderschöner klarer Morgen. Eine leise süße gesummte Melodie näherte sich. Er blickte sich um und sah zwischen den Schattigen samttürkisen jungen Bäumen, die einfach den Asphalt durchbrochen hatten, Loflain. Sie verstummte und lachte ihm zu, während ein leichter Wind durch ihre tiefschwarzen Haare wehte. Longfeng lächelte und lief hinüber. Sie kam ihm entgegen und grinste: "Komm, ich zeig dir was!"

Sie zog ihn an einer Hand mit sich in den alten chemische Synthese Komplex und rannte mit ihm einige verrostet Stufen lang, zwischen riesigen Tanks hindurch, einige andere Treppen hinauf an rostigen Rohren entlang und zuletzt stieg sie Sprossen hinauf auf die Spitze eines großen Tanks und rief Longfeng ihr zu folgen. Dort oben war eine Art Plattform gut 150m hoch. Longfeng blickte sich um. Es würde ein so klarer schöner Tag. Die alte Fabrik lag auf einem Hügel, was die Sicht zusätzlich verbesserte. Dort hinter ihm, wo er gerade hergekommen war, standen die dicht gedrängten 12, 13 stöckigen Betonklötze des Arbeiterviertels in ihrem verwaschenen tiefgrau in Reihe und Glied, nur die im Wind flatternden Punkte frischer Wäsche auf den Dächern tupften etwas Farbe in den Anblick. Dazwischen ragten immer wieder noch höhere alte Industrieschlote empor, doch die meisten davon waren seit Jahren schon wieder außer Betrieb und nur noch die Schatten der ersten Kolonisierung, da solche Technik schon lange überholt war. Aber die wachsende Industrie am Stadtrand in Sektor fünfzehn und sechzehn blies feine Wolkenstreifen hinter den Wohnviertel in den klaren Himmel um sich bemerkbar zu machen. Sie waren gerade in Sektor dreizehn. Auf der anderen Seite von ihnen lag die Kernstadt, die ersten vier Sektoren, die die Koloniestadt begründet hatten in einem gleichseitigen Dreieck aus gleichseitigen Dreiecken mit dem Verwaltungssektor im Zentrum, dem ehemaligen Industriesektor, der inzwischen zu den Firmenzentralen umgestaltet war, dem Universitäts- und den Institutensektor und dem Sicherheitssektor ringsherum. Um diese Kernstadt hatten sich weitere Sektoren in der gleichseitigdreieckigen Form mit einer Fläche von 30km² pro Sektor, da die Stadt inzwischen aus 19 Sektoren einschließlich Flugplatz bestand, betrug die Gesamtfläche etwa 570km² wären nicht an der Stadtgrenze von Sektor 16 und 17 die Fabriken inzwischen schon aus der Stadt hinausgezogen. Inzwischen war das Wachstum der Stadt aber bei den vorerst festgelegten 2 Millionen Einwohnern zur Stagnation gebracht worden um die Ressourcen nicht über zu strapazieren. Die Stadt war nun mal immer noch eine Koloniestadt und winzig im Vergleich zu den Städten auf den Humat Monden wie der Million- und Hauptstadt Peacegarden mit mehr als 40 Millionen Einwohnern. Trotz alle dem gedieh Anpin langsam. Die alten Fabrikanlagen wurden verlassen und langsam zurückgebaut und neue Technologie etabliert, die Gebäude umgebaut und verhöhert und die Infrastruktur modernisiert. Die nahen Sektoren 1 bis 4 waren inzwischen von moderne, blitzende Wolkenkratzerglasfasanden gezeichnet, die in einem starren technologischen Design in Kanten und Zacken und Windungen sich einen Wettkampf im Wachstum gen Himmel zu liefern schienen. Sie verdeckten die Sicht auf die dahintergelegenen Felder des Hochlands, allerdings in die andere Richtung über die Industrie und die Wohnviertel hinweg, konnte man nun bis über die Grenze der Stadt hinaus in die tiefen Talwälder hinabschauen. Kleine weiße Nebelschleier streifte dort unten noch über die Wälder und verfingen sich hier und da in einem Riesenbaum. Die Wälder wiegten in einem sanften Wind wie Sommerwiesen. Es schien fast, als drang sanft das Blätterrauschen bis hier hinauf, wenn man die ruhigen Bewegungen lange genug betrachtete.

"Wunderschön..." murmelte Longfeng bei dem Anblick. Loflain lachte ihn an und nickte und lehnte sich mit einem Arm auf seine Schulter, während sich ihr Blick in der Weite des Horizonts verlor. Er blickt zu ihre hinab und ergänzte: "Es ist auch wunderschön dich zu sehen."

Sie lächelte ihn in die Ruhe hinein an, da war gerade nicht mehr zu sagen. Es war einfach ein wundervoller vollkommener Moment. Der leichte Wind strich durch Loflains Haare und sie schloss sie Augen und atmete tief. Es war ein so gutes Gefühl hier in der Sonne an der Seite eines Freundes zu stehen. Mit einem Mal vernahm sie ein nahes Summen. Sie sah sich danach um und blickte auf Longfengs Tasche. Longfeng bemerkte es auch erschrocken und öffnete besorgt seine Tasche: "Oh Sirili! Es tut mir Leid alles in Ordnung mit dir?"

Sirili schwebte einfach summend empor und umkreiste Longfeng zum Zeichen, dass es ihm gut ging, und schwirrte dann zu Loflain erfreut sie wieder zu sehen. Loflain war eben so erfreut und bot Sirili ihre Hand als Landefläche an. Longfeng lächelte: "Sirili hat dich schon vermisst!"

Loflain lächelte: "Ich euch auch!" und streichelte sanft mit dem Zeigefinger Sirilis Bauch, woraufhin Sirili zufrieden mit den Flügeln vibrierte. Sie setzen sich nebeneinander an das Geländer gelehnt und blickte in den blauen Himmel.

"Und wie ist es dir so in der letzten Zeit ergangen?", fragte Longfeng neugierig. Loflain holte erst einmal eine Dose mit türkis-orangenem Kuchen heraus und reichte ihn Longfeng, dann grinste sie und kramt tiefer in ihrer Tasche: "Es geht mir großartig! Ich hab einen Nebenjob, der unfassbar interessant ist und Spaß macht, und das Studium, ich wünschte nur, dass meine beste Professorin endlich zurück wäre. Aber nun schau dir das an! Ich weiß, als erstes interessierst du dich für Ying, aber das ist auch nicht schlecht. Das ist ihre Arbeit. Über die Labos und es ist zu tiefst bemerkenswert", strahlte Loflain das rote Buch in ihren Händen. Longfeng von ihrem Enthusiasmus in Neugier versetzt lächelte: "Dann spann mich nicht lange auf! Lies ein Stück!"

Loflain grinste und schlug das Buch an einer beliebigen Stelle auf und begann zu lesen: "4. Kommunikation: Wider der momentan allgemeinen Beurteilung besteht die Kommunikation der Labos nicht aus wenigen Signallauten, die simple Sachverhalte wie Gefahr, Angst, Fürsorge oder Gebietsmakierung ausdrücken. Diese Fehlanalyse wurde aufgrund mangelnder Frequenzanalysen erhoben. Tatsächlich ist das Gehör der Labos stärker ausgeprägt und lässt eine klare, dreidimensional Raumerfassung zu. Labos besitzen zu dem eine wesentlich größere Frequenzbreite in Gehör und erzeugen für gewöhnlich wesentlich höhere Frequenzen durch ihr Geräuschorgan, das als ein Hohlraum über ihrem Nahrungsaufnahmeöffnung liegt und mit ihr ihm Rückraum verbunden ist. Durch vier muskulöse Schlitze kann eine vielzahl an an Frequenzen erzeugt werden. Plumb im menschlichen Verständnis von Physiologie veranschaulicht könnte man sagen die Labos sprechen mit der Nase. Die Sprache der Labos liegt die meiste Zeit weit oberhalb des menschlichen Gehörs, weswegen für ihre Erforschung eine Frequenzanalyse notwendig ist. Labos sind nicht in der Lage irgendwelche Konsonanten auszusprechen. Das führte dazu, dass die Menschen annahmen, die Labos würden nur einzelnen Befehlswörtern parieren, während sie eigentlich nach einiger Zeit das meiste der menschlichen Sprache verstanden, jedoch aufgrund ihrer Physiologie nicht in der Lage waren zu antworten. Die Sprache der Labos besteht also nicht aus Tonformen, sondern aus Tonhöhen und Tonrichtungen, denn die veränderte Stellung der Lautschlitze verändert auch für eine gleiche Frequenz, besonders in einigen Dialekten, die Bedeutung. Um die Sprache also analysieren und übersetzen zu können wurden 3 Dimensionale Tonbilder aufgenommen und analysiert, bis ein Muster zur Umschreibung in eine Art Buchstabensystem gelungen ist. Die folgenden 20 Grafiken zeigen das Alphabeth der Labos in 2 dimensionalen Diagrammen, wobei die Frequenzen durch Farbenlinien gekennzeichnet sind, die y-Achse die Lautstärke widerspiegelt und die x-Achse die Position der Tonquelle beim Ton aussenden." Loflain hörte auf zu lesen und reichte das Buch zu Longfeng hinüber, um ihm die Grafiken zu zeigen. Longfeng betrachtete die Grafiken und bemerkte: "So langsam versteh ich, was du an der Professorin findest. Sie ist offensichtlich einfach genial!"

Er blätterte weiter und überflog schnell den Rest des Kapitels, während er Mühe hatte sich nicht doch im Lesen zu verlieren, weil es einfach zu spannend war. "Die" Sprache der Labos gab es offensichtlich nicht, aber eine Hauptsprache, die die meisten Labos sprachen. Ihre Grammatik war dem Buch zufolge einfacher als Regionalsprachen und die Richtungsbetonung war nicht so streng. In weiteren wurden die Grundzüge dieser Grammatik erklärt, aufgeschlüsselt in die Laute aus dem Alphabeth, die als Zahlen verwendet wurden. Zuletzt befanden sich einfache Satzbeispiele und als Beleg für die Analyse auf zwei Seiten das Übersetzungsprogramm aufgeschlüsselt. Longfeng war absolut fasziniert. Loflain sah es seinem strahlenden großen Augen an und musste lächeln. Longfeng blickte auf: "Ich dachte immer, Labos wäre nicht mehr als eine Art Nutztiere mit geringerem Bewusstseinslevel. Aber wenn sie eine so komplexe Sprache haben... Das ist eine bemerkenswerte Arbeit."

Loflain seufzte: "So bemerkenswert, dass sie Professor Ming Guang ihren Posten gekostet hat."

Longfeng lächelte: "Lass uns eines Tages nach Labos fliegen und selbst sehen."

Loflain strahlte begeistert: "Liebend gern!"

Und sie seufzten beide, so etwas war doch nur ein zu schöner Traum. Um das Thema auf etwas anderes lenken, fragte Loflain schnell: "Und wie gehts bei dir so?" Longfeng lächelte: "Naja, so wie immer halt. Ich arbeite und was anders gibt es ja auch kaum, also nichts spannendes, vielleicht..."

Er brach ab. Seine Gedanken kreisten immer noch um Izenal und Samjing, aber er konnte Loflain davon doch nicht erzählen. Das hatte er fast vergessen, da sie ihm so nah schien wie ein Teil von ihm. Loflain legte verwirrt den Kopf schief: "Vielleicht?"

Longfeng wich aus: "Nichts wirklich Wichtiges."

Loflain zog die Augenbrauen zusammen: "Egal, es interessiert mich, wenn es dich beschäftigt und das macht es wichtig genug."

Longfeng lächelte hilflos: "Naja, es braucht dich nicht zu beschäftigen."

"Das würde ich gerne noch selbst entscheiden!" erwiderte Loflain und zwinkerte. Sie bemerkte seine Sorge, dass dieses Wissen offensichtlich sehr vertraulich war und Problem bringen konnte und entschied sich ihm einfach einen Vertrauensvorsprung zu geben, damit er sah, dass er nicht alleine war und dass sie ihm wirklich voll vertraute und er das auch konnte: "Egal! Mir ist auch etwas, sagen wir mal, eigenartiges passiert."

Longfeng horchte auf und blickte sie besorgt an.

"Ich hab jemand Sterbendes gefunden, jemand Angeschossenen."

Longfeng keuchte: "WAS?"

Loflain fuhr fort: "Naja ich hab ihn gerettet. Natürlich, mein ich. Man muss doch einem Menschen helfen oder? Auch wenn der Frieden ihn jagt und er vielleicht ein Verbrecher ist, kann man doch nicht selbst urteilen und ihn einfach sterben lassen oder?"

Longfeng legte seinen Arm um ihre Schulter: "Du hast das richtige getan."

Loflain lehnte ihren Kopf gegen ihn und merkte erst jetzt wie eine unbemerkte Last von ihren Schultern fiel, weil sie mit jemand reden konnte. Sie legte ihre Hand auf seine und sagte: "Es ist gut einen echten Freund wie dich zu haben."

Longfeng nickte und fasste das nötige Vertrauen: "Weißt du was, mir geht nicht so anders. Ich fürchte ein paar Kollegen geraten auf Abwege, aber du hast mir Mut gemacht, dass es richtig ist sie nicht zu verraten, sondern ihnen zu helfen zurück zu finden. Sie sind eigentlich wirklich gute Leute, aber ich fürchte sie sind schwach geworden. Ich muss sie schützen, sonst haben sie keine Chance mehr in unserer Gesellschaft."

Loflain nickte: "Longfeng du bist der mutigste, stärkste und ehrenhafteste Mensch, den ich kenne! Ich glaub an dich! Und wenn du mich brauchst, dann werde ich da sein."

Longfeng lächelte zu ihr hinab, dieser ausgesprochene Entschluss nahm ihn die Angst und Loflains Vertrauen stärkte ihn so tausendfach. Er fühlte sich wirklich stark genug es mit allem aufzunehmen und für diesen Moment sah er den blauen Himmel offenstehen und ein schwacher Duft der Wälder und Berge in der Ferne wehte zu ihm.


Lichtstreifen malten sich auf den Nebel der großen Talwälder. Die Luft war zum Ersticken dicht. Unregelmäßig pitschte irgendwo ein Tropfen auf ein anderes der fleischigen türkisgrünen Blätter. Kreuz und quer hingen lange tiefblaue samtige fadenartige Pflanzen wie Vorhänge. Hin und wieder blinkte ein Käfer, der seine Flügel rieb und damit etwas auflud, auf. Ein dreigliedriges Tier mit vier großen Schmetterlingsflügeln flatterte hin und her zwischen den großen gelb schimmernden Stemplen der violetten Blüten und aß Nektar, bis er zu unvorsichtig wurde, zu nah an einem der langen Haare eines violettblauen Blattes vorbeiflog, festklebte und langsam zu dem sich schließenden Blatt gezogen wurde. "Noch ein paar Meter!" drang eine Stimme durch das Dickicht und ein Mann mit struppigen blonden Haaren hob Hängegräser zur Seite. Ihm folgte ein anderer, der sich sichtlich desorientiert umsah, den Schweiß von der Stirn wischte, die mit einer Narbe über der Augenbraue gezeichnet war, und nach Luft rang: "Wie hältst du diese Atmosphäre nur aus, Tailor? Meine Brust wird zerquetscht. Ich muss zurück in den Weltraum!"

Tailor wand sich grinsend um: "Du wolltest sie doch unbedingt kennenlernen, Reff." Reff seufzte, was seine Luftzufuhr kurzzeitig verbesserte: "Stimmt ja, stimmt ja. Ich muss doch sehen, was du so treibst."

Plötzlich zischte etwas über ihnen: "Tshachitlar." (Anmerkung: ch= iCH, ck=baCH) Tailor blickte noch breiter grinsend auf in das uralte Geäst über ihm und antwortet: "Sírsír, Sìrshê.Tzí shê ŝ ch?"(Hallo, sirshe. Gehts dir gut?)

Mit einem Summen schwebte eine Furia-Arbeiterin, ein etwa 1,50 Meter große teiftürkises Insektenweibchen mit einem flauschigen zweiten Glied mit zwei Armen und vier Beinen und vier riesigen schillernden Flügeln herab, fixierte Tailor mit ihren reisigen schwarzen Wabeninsektenaugen und antwortet, wobei sie durch ihren senkrecht sehenden Mund durch scharfe schwarzblaue Zähne zischte und summte: "Sh shê ŝ.(Mir geh es gut.) Dsu ist Reff?" Reff nickte ein wenig zurückhaltend. Das hier war nicht sein Gebiet. Tailor stellte sie vor: "Sìrshê, das ist Kapitän Reff, mein Freund. Reff, das ist Sìrshê, die Shìrsìrdolmetscherin."

Sìrshê drehte ihre beiden blattförmigen Lauschfühler erst in Tailor und dann in Reffs Richtung, um ihnen Aufmerksamkeit zu schenken und spreizte als ehrerbietige Begrüßung ihre Flügel auf. Reff nickte ihr zu. Sie summte: "ckommt!" und ging voran, die Männer folgten ihr. Dabei richtet Sìrshê die gleiche Frage nach der Befindlichkeit an Tailor, erfreut dass er wieder da war: "Tzì shê ŝ ch. Sh shê s'tzì tzú ŝ."(Geht es dir gut? Ich bin froh, dass du wieder da bist.)

Tailor grinste sie an froh wieder da zu sein: "Sh shê. sh sí s'tzù ŝ."(Mir geht es gut. Ich bin froh wieder hier zu sein.)

Reff kämpfte sich hinter ihnen her und verstand kein Wort aber Tailors erfülltes Grinsen sprach Bände. Es war ein großartiges Gefühl seinen besten Freund so glücklich zu sehen und zu sehen, dass die Arbeit voranging.

Sìrshê führte sie einen steilen Weg hinab in ein Tal, in dem noch höhere und breitere Bäume standen - Hundert Meter oder höher. In dem riesigem Wurzelgeflecht der Bäume baute sich vor ihnen die Industriestadt der Shìrse auf. Wabenwände aus Wachs und Plastik schlossen die mehrstöckigen Gebäude ab. Die Wände waren bunt, pink, hellblau, ultraviolett, gelb und durchsichtige Waben als Fenster waren eingefügt. Zwischen den Stämmen war die Erde geebnete und streifenartig Felder mit unterschiedlichen Blumen und Früchten angelegt, über denen in der gleichen Orientierung Stränge gespannt waren, an denen Reben hinauf und kletterpflanzen hinab wuchsen, hoch bis über 50 Meter. Die meisten Gebäude hier unten waren Industriekomplexe zur Weiterverarbeitung der gewonnenen natürlichen Rohstoffe aus den Feldern und den Bodenmineralien. Energie wurde aus Geothermie gewonnen und Wasser aus Wasserfängern weit über ihnen die als Netze die Kondensionströpfchen auffingen und in Tranks in den Oberen Leveln leiteten. Die eigentliche Stadt begann erst hoch über ihnen Köpfen bei den ersten Ästen der Riesenbäume und bestand aus vielen kokonartigen Nesthäusern, die rund um die Stämme und Äste hingen. Dort oben herrschte ein geschäftiges Summen. In der Shìrsefsû einer der Koloniestädte der Shìrsìr lebten etwa 50000 Furia, versteckt vor den Menschen, die glaubten sie mit dem Virus auf Yang ein für alle Mal ausgerottet zu haben, ohne zu wissen, das sie raumfahrende Spezies schon Kolonien auf Ying gegründet hatte. Sìrshê wandte sich an Tailor: "Tzí tzù ŝ`ssh tshúŝ fim" und flog davon.

Tailor blickte zu Reff: "Sie holt uns ein Taxi, wir sollen warten."

Reff grinste: "Du magst sie ja wohl."

Tailor hob ein wenig die Augenbrauen: "Was erzählst du? Sie ist eine Arbeiterin, das würde nie funktionieren."

Reff schüttelte den Kopf: "Ich kenne dich zu gut, so einfach machst du es dir nicht. Außerdem ist Attraktion nicht das gleiche wie Liebe."

Tailor bekam etwas mehr Farbe im Gesicht und wechselte das Thema: "Wie willst du eigentlich den Planeten verlassen oder hast du doch beschlossen sesshaft zu werden?"

Reff lachte: "Du willst mich ja loswerden."

"Niemals!" protestierte Tailor und legte seinen Arm um die Schulter des Freundes.

Reff erklärte grinsend: "Ich habe dieses recht nette Schiff getroffen. Das hat versprochen mir noch einmal zu helfen. Du würdest es auch mögen, etwas eigensinnig und ein guter Sinn für Humor."

Die Furia hatten sich auf Yang entwickelt in den stickig feuchten Küstenlinien und tropischen Wäldern, Korallenlagunen besiedelt und große Städte gegründet Jahrtausende, bevor die Menschen gekommen waren. Sie waren in Clanen mit Königin, Drohnen und etwa 10 mal so vielen Arbeiterinnen organisiert. Doch diese altertümliche Form war zumeist schon vor tausend Jahrhunderten von der Emanzipation und technischen Entwicklung überholt worden. An den Mythos der willenlosen Arbeiterkriegerinnen, die intelligenzlos und willenlos dem animalischen Ruf der Königin folgten, wie man gemeinhin in Humanation glaube, war in den aufgeklärten Gesellschaften der Shìrsìr nichts mehr wahr. Die meisten Staaten Yangs waren recht gleichberechtigte Demokratien gewesen. Auch wenn zugegebenerweise es Rollenungleichheiten gegeben hatte, waren die Furia keine imperialistischen Barbaren. Sie waren vielleicht Allesfresser, aber sie war eine hoch industrialisierte Gesellschaft, auch wenn sie Flug vor dem Rad entwickelt hatten und Plastik vor Metall, was ihnen durch ihren Lebensraum und ihre Physiologie näher lag. Sie hatten fast ein ganzes Jahrhundert, bevor Humanation von Omega gekommen war, Ying längst kolonisiert gehabt, wovon Humanation zum Glück nichts wusste. Auf ihrem Heimatplaneten Yang hatten die Menschen durch ihren künstlichen Virus etwa 90% der Bevölkerung dahingerafft und hätten alle ausgelöscht, wenn es nicht Widerständlern gelungen wäre den Protovirus aus dem Labor zu entwenden samt Daten und eine Impfung zu produzieren. Seit die Menschen auf Yang gelandet waren, hatten sie immer wieder die Furia als Furchteinflößende Biester getötet und einige Staaten waren schließlich mit ihnen in den Krieg getreten. Allgemein waren diese Geschehnisse als die furianische Plage bekannt. Wegen ihrer bestialischen Gestalt und den aggressiven Angriffen waren sie überhaupt erst Furia genannt worden. Dabei hätten sich Menschen und Furia die Gammaplaneten in Frieden teilen können, da das Leben in dem Tiefland durch Hitze und Druck für die Menschen unerträglich war und das Leben im Hochland durch die dünne Luft für die Shìrsìr, wie sie sich selbst nannten, nicht vorstellbar.

Doch so sehr die Furia animalische Monster ohne Bewusstsein in den Augen der Menschen waren, sosehr waren die Menschen kulturlose Plünderer und Barbarenvölker, die wie Heuschrecken über den Planeten hergefallen waren in den Augen der Furia.

Es war am Anfang nicht selten vorgekommen, dass Tailor im Panikreflex von Furian beschossen worden war. Inzwischen aber wussten die Kolonien auf Ying Dank ihm um den Widerstand und auch wenn noch Argwohn bei den älteren gegenüber allen Menschen bestand, sahen die meisten die Widerständler als Chance zum Frieden, der so bitter nötig war.

Sìrshê kam zurück geflogen mit einer Fluggondel. Tailor und Reff stiegen in den Hängekorb, der durch zwei Rotorblätter in die Luftgehoben wurden. Sie hoben sich langsam in die Luft. Reff fühlte sich in einem fliegenden Gefährt durch den kühlen Wind gleich viel besser.

"So sehen eure Kolonien also aus. Wann hat euer Kolonieprogram den gestartet?" fragte er an Sìrshê gerichtet.

Sie erklärte, während sie die Gondel lenkte: "For ettha 200 Umdreckumem. Dsu ist Ckefthen?"

Sie konnte kaum harten Laute wie k,p oder b aussprechen, so versuchte sie ihnen Nahe genug zu kommen. Reff grinste: "Ja nur gerade ohne Schiff, auf meinem Schiff haben auch einige Shìrsìr gearbeitet aus Spektrum, aber eine richtige Stadt in Omega habe ich noch nie gesehen. Das ist etwas vollkommen anderes. Es wird Zeit, dass ihr euren Planeten zurückbekommt."

Sìrshê zog ihren Mund in die Länge und schloss die Zähne aufeinander, was einem Lächeln entsprach, während sie aus Reflex freundlich mit den Flügeln zitterte: "Nets fon dsir!"

Die kleine Gondel hatte inzwischen die Äste erreicht und flog durch sie hindurch in Richtung des Zentrums. Unter ihnen lagen auf einem breiten Ast Stände mit bunten Plastikplanen und Imbissbuden zwischen den summend und surrend, hungrige Arbeiterinnen und Drohnen hin und herwuselten. Zu ihnen drang der Duft von frittierten Mamutnüssen und in Zuckerfäden eingesponnenen Rotkornblüten. Eine schwatzende Gruppe an jungen Arbeiterinnen und zwei Drohnen flogen vorbei, wobei die Drohen aufgrund ihres rundlicheren kleineren Körperbaus zurückfielen und die Arbeiterinnen auf sie warteten und dabei einen neugierigen Blick auf die seltsamen Gäste in der Gondel warfen. Sìrshê lenkte das Luftboot in einer Kurve um einen von einem Kokonring umgebenen Baumstamm herum und Reff spähte zu den durchsichtigen Warbenfenstern, etwas im Inneren der Wohnungen zu erkennen, doch sie waren zu weit weg. Eine Arbeiterin kam gerade aus ihrer Wohnung durch die hellblauen Plastikvorhänge ihrer Tür hinaus. Die Gondel gewann wieder an Höhe und flog hinauf in die höchste Ebene der Stadt im Zentrum, in welchem ein Netz zwischen sieben Bäumen gespannt war, auf dem aus Luftgräsern ein Park angelegt war. Die Gondel landete sanft auf einem der Wege dieses Netzes. Sie stiegen aus. Neben ihnen stand aus halbdurchsichtigen Hartwachs eine Statur von einer Arbeiterin in einem Kittel, die auf ein Reagenzglas starrte und Rücken an Rücken mit einer Königin stand, die in den Himmel hochstarrte und eine Schriftrolle unter dem Arm hielt, einer Drohne die die Hände einladend offenhielt und einem Menschen der seine Hand auf sein Herz legte. Sie alle standen zusammen auf einem Sockel, in dem in runden Shìrsìr-Zeichen Namen von Stämmen eingraviert waren, die durch den Virus ausgelöscht worden waren. Tailor betrachtete die Statur und legte andächtig die Hand aufs Herz. Das waren Rzîtsu eine Virenforscherin, Sìmshê Königin von Frsîsh, Sléch einem Linguisten und Artenforscher und Iermon ein Widerständler, der sein Leben lassen musste, weil er geholfen hatte die Daten über den Virus zu klauen. Diese Vier hatten geholfen die Furia zu retten. Sìrshê legte ihre Hand an Tailors Arm: "Sè shê rchr sù `s tzí shê rchr ŝ. Sh fsam shìrsìr z rchr sùsí shìr sí." (Er war ein guter Mensch und du bist ein guter Menschen. Ich hoffe die Furia und Menschen werden zu einer Gemeinschaft.)

Tailor nickte und antwortete: "Das hoffe ich auch. Es ist schön unsere Spezies hier zusammen zu sehen."

Sìrshê vibrierte leicht als Zeichen der Zustimmung.

"Wir sollten das Parlament nicht warten lassen" bemerkte Tailor und wandte sich ab. Sìrshê schritt voran und führte sie in den riesigen Wabenpalast im mittleren Baum. Sie kamen in eine Art Empfangshalle in die von weit oben durch eine große Öffnung Licht hinab fiel. Furia flogen auf und ab und verteilten sich in den Gängen zu den Seiten. Für Tailor und Reff hing eine Strickleiter herab, denn sie mussten einige Ebenen nach oben. Dort oben führte sie ein Gang in das Herzstück des Palasts, das Parlament. Hier tagten 60 Delegierte sechs von jedem Stadtteil und eine Stadtpräsidentin, die aber eher nur als Vermittlerin fungierte. Momentan war keine offizielle Tagung, dennoch saßen etwa 40 Shìrsìr in den Wabensitzen, die Halbkugelförmig die Wände hinaufliefen, und warteten gespannt auf Tailor und Reff. Durch die riesigen Wabenfenster in der Decke fiel Licht herab und malte das Hexagonmuster auf den glänzenden Hartwachsboden. Die Präsidentin eine ältere, große Königin, wartete am Rednerpult in der Mitte des Saals. Sie summte freundlich als Tailor und Reff eintraten. Reff blickte sich verunsichert um. Er war Pirat. Zwielichte Spelunken voller bewaffneter, vernarbter Gesellen waren für ihn ein viel ertragbarer Verhandlungsort als ein riesiger Plenasaal.

Tailor, als sei er in der Shìrsìrgemeinschaft geboren, summte leise unbewusst freundlich und seine Arme aufgrund mangelnder Flügel hoben sich leicht vibrierend als eine reflexartige Begrüßung, während er in die Mitte trat, während Reff ein wenig befremdet neben Sìrshê im Schatten neben der Tribüne stehen blieb, sich fragend wie die menschliche Physiologie überhaupt solche Bewegung zuließ oder ob vielleicht nur Tailor das konnte. Sìrshê leitete Reff in einen leeren Sitz und eilte Tailor hinterher, um mit der Übersetzung zu helfen. Die Präsidentin erwiderte die Begrüßung mit ihren Flügeln und ihr Mund zog sich freundlich in die Länge. Sie summte und zischte: "Sh shê s'tzì tzú thâck sùŝ. Sh frídz sùs tzì ds thûdshck fscksís ŝ shìrdsûtlêcks s dz` shìr thâck ŝ shìr ds msêchch sí, Tchailor" (Ich bin froh dich wieder zu sehen. Wie ich versprochen habe, kannst du dem Parlament deine Pläne erklären, damit wir sehen wie wir helfen können, Tailor.)

Sìrshê wollte ansetzen zu übersetzen, aber Tailor summte schon: "Sìmsìm, Sìrshê s` sh thûsdshsù. Sìmsìm tzûfs. sh shê tzù ŝ." um zu erklären, dass er bereits verstanden hatte. Sìrshê summte amüsiert und antwortete: "Tzí shê dsîdsî ŝ." (Du sprichst gut) Tailor winkte ab und erklärte auf humanisch: "Meine Shìrsìrdsî ist schrecklich, in bin froh dich als Übersetzer zu haben, sonst würden meine Stimmenbänder bald versagen. Also lass uns beginnen." Sìrshê zitterte verlegen mit dem untere Flügelpaar und rieb sie aneinander. Die Präsidentin begann und erklärte dem Parlament noch einmal Tailors begehren, bevor sie ihn bat zu beginnen. Tailor blickte in die Runde der 80 ihn gespannt abstarrenden großen schwarzen Augen und sie Chance hier sprechen zu dürfen drängte ihn zum Lächeln. Er blickte zu Sìrshê um zu sehen, ob sie bereit war zu übersetzen, und begann:

"Es ist mir eine große Ehre hier reden zu dürfen und ich bin froh bei euch auf offene Ohren zu stoßen. Wie ihr alle schon erfahren habt, bin ich hier, weil ich diesen Planeten befreien möchte von Humanation. Das heißt, ich habe bis jetzt keinen Einfluss auf die Taten der Menschen, außer derer, die sich uns angeschlossen haben. Aber ich verspreche mit meinem Leben, dass ich alles tun werde um die wenigen Machthabenden zu entmachten und die Freiheit und damit die Entscheidungsgewalt allen Lebewesen auf Ying zurück zu geben. Ich und mindestens jeder hundertste Mensch mit mir, plant eine Revolution in den Städten der Menschen um diese Entmachtung herbeizuführen und die Entscheidung den freien Menschen zurück zu geben in den Städte. Allerdings ist es auch unser Anliegen, wenn wir freie Städte haben, einen freien Planeten zu formen mit alle Lebewesen. Um das möglich zu machen, brauchen wir einen Austausch zwischen Menschen und Shìrsìr und Verhandlungen. Es ist wichtig, dass beide Seiten sich ohne Argwohn neu begegnen, damit wir nicht direkt wieder in einem Krieg enden. Ich habe alle Menschen die zu mir gehören beigebracht, was ihr wirklich für Wesen seid und Toleranz gelehrt. Nun ist, dass was ich von euch erbitte, sollte mein Vorhaben gelingen, die Shìrsìr auf die gleiche Weise zu sensibilisieren, dass wir uns bessern wollen und wir nicht mehr die sind, die Krieg führen wollen, sondern die, die einen freien friedlichen Austausch wünschen. Ich und meine Menschen wollen Frieden und Freiheit und ich hoffe ihr wollt das auch."

Tailor hatte geendet und das summen und zischen im Plenasaal wuchs an. Eine Arbeiterin auf der rechten Seite erhob sich und erklärte von Sìrshê übersetzt: "Wir werden diese Bestrebungen unseren Geschwistern mitteilen und sie befragen, ob sie bereit sind für solch einen Austausch. Des Weiteren so wie ich im Besonderen einige meiner Schwestern kenne, wollen sie die Bemühung eines Umsturzes unterstützen. Gibt es Möglichkeiten zu helfen für den Fall, das wir gefragt werden."

Ein Zirpsen ging durch die Reihen, das die anderen Furia mit Flügeln und Unterleib erzeugten als Zustimmung.

Tailor antwortete: "Das ist sehr edel! Es gibt immer Möglichkeiten zu helfen, aber ich möchte sie nur ungern unseretwillen in Gefahr bringen. Wenn es wirklich jemand geben sollte, der uns helfen will, dann werde ich sie morgen eine Baumebene tiefer treffen und erklären wie."

Die Präsidentin kam wieder ans Rednerpult: "Gibt es noch Fragen?" Sie wartet für einen Augenblick, dann erklärte sie: "Nun damit wäre die außerordentliche Sitzung geschlossen."

Sìrshê führte Tailor und Reff wieder hinaus um sie zu ihrer Unterkunft zu begleiten, als noch einmal die Präsidentin hinter Tailor hereilte und ihn aufhielt im Flur des Parlaments. Sìrshê und Reff gingen schon weiter. Kaum waren sie außer Hörweite erklärte Sìrshê: "Ich pshtaun Tshachitlar. Stachcker, setlsttloser Mensh."

Reff grinste: "Oh ja, das ist er, ein Idealist und ein fleißiges Arbeiterchen."

Sìrshê surrte amüsiert. Beide gingen schweigend eine Weile nebeneinander her. Schließlich fragte Reff frei heraus: "Nimmst du eigentlich Amotein?"

Sìrshê war erst etwas überrascht über die persönliche Frage, aber Tailor hatte sie schon gewarnt das Reff zu scheuloser Direktheit neigte. Sie schüttelte den Kopf: "Ich mechte setlsttlos schafen fir meine Shìrser. Dsu hast auch nimandsu, Tshachitlar auch nich? Fir Menschen?"

Reff seufzte: "Ich glaube nicht, dass sich Tailor im besonderen den Menschen verpflichtet fühlt. Ich fühl es jedenfalls nicht. Und ich glaube auch nicht, dass ihn seine Ziele davon abhalten einen Partner zu finden. Was mich betrifft, so liegt es bestimmt nicht an meinem !"

Er lächelte zwinkernd. Sìrshê legte den Kopf schief um über die Worte nachzudenken: "Patsner hetl nich zurick?"

Reff schüttelte mit einem breiten Lächeln den Kopf: "Im Gegenteil, die Liebe ist der beste Ansporn das Beste aus sich zu machen."

Sìrshê summte leise nachdenklich. Sìrshê verstand das Konzept der menschlichen Partner Liebe nur als unbekannte Instinkthandlung. Denn sie empfand überhaupt keine sexuelle Attraktion, denn sie war eine Arbeiterin und lehnte den inzwischen allen zugänglichen Königinnesaft mit dem sogenannten Enzym Amotein, das jeder Arbeiterin auch solche Empfindung zugänglich mache, ab so wie etwa 50% der Arbeiterinnen. Shirsir hatten einen sehr feinen Geruchssinn und nahmen mit Leichtigkeit Angst, Aggression, Zutrauen über den Geruch auf. Aber Arbeiterinnen die kein Amotein nahmen waren unfähig die sexuellen Pheromone wahrzunehmen und merkten von der Liebe absolut nichts. Sìrshê hatte sich entschieden entschlossen ihren Schwestern zu dienen und all ihre Kraft in das Wohl aller zu legen und begriff es als Eigensucht würde sie ihre Zeit und starke Arbeitskraft mit Drohnen und Larven legen zusätzlich verbringen. Kinder wurden gewöhnlich eh in der Gemeinschaft von Arbeiterinnen aufgezogen. Es gab keine eigenen Kinder, sondern alle wurden als Geschwister, also als eine große Familie behandelt. Darum kümmerte es auch nicht, wer sich kümmerte. In der neueren Zeit waren kleine Beziehungsgruppen zwischen den Amotein nehmenden Arbeiterinnen und Drohnen und auch Königinnen häufiger geworden, aber das Modell einer Partnerbeziehung war trotzdem ein vollkommen revolutionärer Lebensentwurf für die Shìrsir.


Die Präsidentin erklärte Tailor einige Neuigkeiten aus anderen Furiastädten, die er schon früher besucht hatten und die ebenfalls wieder Kontakt zu ihm suchten, und von ihm noch unbekannten Städten, die auch offen waren für jede Form von Annäherung und Versöhnung. Tailor war begeistert und erklärte auf Shirsirdsî: "Sh tzùtzàzshsm fscksís dck sùsíck ŝ." (Dann muss ich meine Reisepläne wohl erweitern)

Die Präsidentin erklärte daraufhin: "Sh msú sí Sìrshê s` sè dzà tzí." (Ich werde Sìrshê bitten dir zur Seite stehen)

Tailor nickte danken. Die Königin spürte einen sanften Ton in der Luft, fing amüsiert an zu surren und bemerkte: "Tzí sêsê sèch." (Du stehst auf sie, oder.)

Tailor wurde rot und erklärte: "zùds. Sè zùthûdsh lê ŝ. Sh shê ŝssh z sè zshíck ds. Zùs sè lê zùfs ŝs` sh shê." (Es ist unmöglich, sie versteht das nicht mal. Ich bin froh, wenn ich mit ihr zusammen arbeiten kann. Aber wenn sie das nicht will, bin ich damit glücklich.)

Die Königin grinste lang und summte: "Rm, rmà rchr. Tzí Shìrdsû Chí Shìrsìr sìr. Tzí z sè dsùsitl shê sí." (Es ist zu Schade, du armer Menschen, der du nur eine liebst. Es wäre schön, wenn ihr Kinder hättet.)

Tailor lächelte melancholisch seufzend: "Lêlê ds zùds sìr. Sìrlù chìl ŝs` sh smsh sùsí." (Man kann nicht alles haben. Ein freier Planet würde mich schon deutlich glücklicher machen.)

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