Humanation

4. Kapitel: Terrorist

Auf Ying und Yang, die sich mit einer Dauer von 10 Tagen mit 50 Stunden um eine gemeinsame Achse drehten, war es üblich das es zwei Zeitgeschellschaften gab um die Produktion ununterbrochen aufrecht zu erhalten: Die Mittmenschen, die Prozentual der geringere Teil waren und um Mittag und Mitternacht wachten und die Dämmerungsmenschen, die 6am-20am und von 6pm-20pm wachten, zu denen auch Studenten gehörten. Loflain gähnte herzhaft. Sie hatte schließlich mit in der Nacht noch Longfeng getroffen. Das kleine antik wirkende, mechanische Silbergerät zeigte seine Zeiger auf 6:12. Es war vor der ersten Vorlesung und Loflain wartete vor dem Verwaltungsgebäude.

"Bin ich schon wieder spät, Loflain?" sprach jemand sie an.

Sie blickte auf und lächelte: "Nein, nein, nicht signifikant. Komm lass uns essen gehen, Rolco."

Rolco lächelte zurück und sie gingen in seine nahe gelegene Beamtenwohnung. Der Irisscanner erkannte ihn und die Tür öffnete zu einem schlichten weißen Flur, der in ein weites schlicht elegantes Wohnzimmer mündete. Zur Linken führte eine zusammengeschobene Tür aus getrübten Glassegmenten ins Bad und zur Rechten befand sich ein Durchgang ins Schlafzimmer. Loflain ging hindurch in die Kochnische rechts im Wohnzimmer, die vollständig mit zweckmäßigen Chromstahl verkleidet war. Sie nahm ein Schneidebrett und setzte sich an einen ovaler Glastisch auf einen der zwei Stühle aus Metall. Zum linken Seite auf einem Schreibtisch lagen ein Holoprojektorprozessor und wohl geordnet, aber offensichtlich wichtige Dokumente und Datenträger. Weiter hinten stand eine schwarze Ledercouch vor einem kleinen Tisch. Dahinter war ein großer schwarzer Schrank an die weiße Wand geschraubt. Der dunkelgraue marmorierte Steinboden spiegelte sauber geputzt das Bild des Raumes. Rolco schloss die Tür hinter sich und folgt ins Wohnzimmer. Als er sah, dass Loflain schon mit der Produktion von Essen beschäftigt war, was er bis heute kaum vermochte, ging er nur quer durch das Wohnzimmer zu der großen Glasfront am Ende und blickte hinaus. Loflain fragte: "Was geht durch deinen Kopf, Papa?", während sie Gemüse schnitt.

Als Kind hatte sie immer hören müssen, dass sie unvollkommen sei, doch trotz ihres genetischen Rückstands hatte sie alle um Längen geschlagen und dadurch gelernt, dass der Fakt einen Vater zu haben sie offensichtlich nur reicher machte. So hatte sie so viel mehr Menschlichkeit erfahren und dafür war sie stolz auf ihren Vater, die unverstandene Größe zu haben zu einem Fehler zu stehen. Darum war das Wort mit einer liebevollen Wärme und tiefen Respekt gefüllt, anderes als gewöhnlich, da das Wort üblicherweise einen Schimpfwort für einen sexuell zügellosen, verantwortungslosen Menschen war.

Rolco drehte sich um: "Die Piraten machen mir Sorgen, aber du musst dir keine Sorgen machen. Im Wesentlichen bin ich auch nur müde nach Mitt-tagen. Ich muss bald schlafen um nach der Mittelpause wieder in den Dämmertag einzusteigen."

Loflain, während sie rührte, erklärte: "Ich mach mir aber Sorgen um dich mindestens. Du wirkst gerade überarbeitet und besorgt. Die Kolonien sind zu wichtig um sie einfach den Piraten zum Spielfeld zu geben. Humat wird uns verteidigen."

Rolco seufzte nur lang gezogen und setzte sich an den Tisch: "Hoffen wir es."


Tailor saß an dem Arbeitstisch in einem kleinen Rohbetonappartment, der nur aus einer auf gestapelte Backsteine gelegten Platte bestand. Neben ihm im Bett schlief ein verbündeter Arbeiter names Berilin, der nach der Nachtschicht endlich Schlaf nötig hatte. Tailor fletze sich auf den Karton, auf dem er saß, und tippte auf die von dem tragbaren Holoprojektor, dem Laphopro, der im wesentlichen aus seinem Faustgroßen Würfel bestand, der zu allen Seiten projiziert, auf den Tisch projizierte Tastatur. Er klickte und legte seine Arme um sein linkes angezogenes Bein und starrte erwartend auf die Projektion vor ihm. Es würde einige Minuten dauern, bis er Antwort erhielt. Er stand auf, holte sich ein Glas Wasser aus dem Wasserhahn und kehrte gemächlich zum Laphopro zurück. erklärte die Projektion. Tailor wartete und las seinen Text noch einmal: "Das Vorhaben läuft wie geplant. Wie sieht die Lage da draußen aus. Hast du schon epsilon und gamma getroffen? Ich hoffe, es geht euch allen gut. Aber Vorsicht, ich habe gehört ein dicker Fisch ist unterwegs. Herzliche Grüße Fairy Tale."

Ein Fenster öffnete sich und Wort für Wort erschien der Text: "Freut mich von dir zu hören. Gamma und epsilon haben noch nicht unsere Überraschungsparty gefunden, aber Geduld. Sie werden schon. Ein dicker Fisch? Wir sollten ihn begrüßen. Wir freuen uns doch über neue Gäste. Apropos wir haben Gäste getroffen, höchst eigenartige. Einer vom Frieden, eine von der Uni und eine Cymale. Sie hat ihn verteidigt und wurde dabei schwer verwundet. Ich weiß nicht so recht, was ich daraus schließen soll. Hast du jetzt schon Freunde beim Frieden? Gruß Karef"

Tailor begann sofort zurück zu schreiben: "Es ist Vorsicht geboten. Und nein, bis jetzt habe wir niemand im Frieden. Das ist wirklich eigenartig, aber anders herum wäre es noch komischer. Ich hoffe, sie kommt durch. Kenne ich sie?"

Er klickte auf und sie Nachricht wurde über ein als Satellit fungierende Schiff in der Umlaufbahn verstärkt, durch das All geschossen zu einem K-3 Kreuzer, der einst von Piraten erobert worden war, am Rande des Systems, in dessen Kaptainsraum der Kaptain mit dem kleinen roten Sternknopf in der Nase bereits darauf wartete. Er hob eine Augenbraue und begann zurück zu schreiben: "Nicht persönlich. Auch ihre Identität macht keinen Sinn. Sie ist Hikari. Damit macht es sogar noch weniger Sinn, dass sie einen Oberleutnant verteidigen sollte. Wir tun alles, was wir können um sie zu retten. Wenn wir Glück haben, klärt sich das bald auf. Nächster Kontakt 3 beta."

Er wartete eine Weile, bis er die Information erhielt: "Bis dann. Pass auf dich auf. Kontakt beendet!"

Tailor war aufgestanden. Er packte seinen Laphopro ein um sich auf den Weg zu machen. Während er sein Jacket zuknöpfte, grübelte er über die eigenartigen Gefangenen nach, aber auch er konnte einen sinnvollen Zusammenhang darin erkennen. Wie er seine Gedanken auch schob, es blieb merkwürdig. Tailor öffnete seufzend die Tür. Reff würde es schon herausfinden.


9:50 zeigte das kleine mechanische Zeitgerät um Loflains Arm. Longfeng hatte es gebaut, nachdem sie erzählt hatte, dass man in der Geschichte davon ausging, dass es mal sowas wie ein mechanisches Zeitalter gegeben hatte. Longfeng als Feinmechaniker verstand mit der nötigen Präzision zu arbeiten um solch ein Instrument zu bauen. Über der 25 stand sogar ihr Name eingraviert. Sie nahm die breite runde Treppe des Instituts hinauf in den dritten Stock und ging den Rundflur entlang zu Zimmer 3-12. Auf dem kleinen Glasplättchen neben der Tür wurde von LEDs der Schriftzug "A-0037352, Prof. Yonatan" geleuchtet. Durch die Glasfront zu der anderen Seite glühte die Dämmerung an den Wolkenschichten durch das Fenster. Loflain klopfte an die schwarze glatte Tür und betrachtete nervös ihr Spiegelbild in der Spiegelung. "Ja?" drang eine Stimme von innen. Loflain öffnete die Tür und trat ein. Professor Yonatan blickte durch die Fensterfront auf den gläsernen Innenhof in seinem Level, drehte sich zu Loflain um und lächelte: "Guten Morgen!"

"Morgen", erwiderte Loflain und faltete ihr Hände ineinander. Yonatan bot ihr einen Platz in dem roten Sessel vor dem Schreibtisch. De Raum war weitestgehend leer bis auf den Schreibtisch, einen schwarzen Sessel an der Wand , den Arbeitstisch, den roten Sessel und den uralten eingeglasten unscharfen Photographien von fremden Vegetationen Wüsten, Wäldern und Ozeanen, allerdings war die ganze rechte Wand mit buntem Text bemalt und in der linken Ecke neben der Tür begann bereits Schrift hinab zu laufen. Offensichtlich Yonatans Handschrift an der weißen Wand. Yonatan folgte ihrem musternden Blick zu den Schriftzügen und erklärte: "Nur einige merkenswerte Notizen, die jederzeit auch ohne auslesende Medien abrufbar sein sollten. Du bist wegen Arbeit hier, richtig?"

Loflain riss ihren Blick von den Texten los und nickte.

"Was stellst du dir den vor?", fragte Yonatan weiter.

"Nun, ich hoffe durch die Arbeit auf die eine oder die andere Art umfassendes Wissen von der Geschichte zu erlangen", antwortete Loflain.

Der Professor lächelte geheimnisvoll: "Nun ich hätte da eine Idee." Er lehnte sich auf seinen Tisch: "Eine Arbeit direkt an der Quelle des Wissens. Interessiert?"

Loflain blickte ihn grübelnd an, was diese Arbeit wohl sein könnte: "Es klingt spannend."

Yonatan schob seine Brille zurück und lächelte: "Komm mal mit!"

Yonatan nahm seinen hellgrauen Mantel in den Arm und ging aus seinem Büro. Loflain folgte ihm. Yonatan führte sie über den Campus in Richtung der Dozentenwohnungen. In den Pfützen spiegelte sich das Morgenrot. Yonatan berichtete: "Ich besitze eine Sammlung an nicht digitalen Quellen, aber um ihr Wissen allen zugänglich zu machen bräuchte ich jemand, der sie scannt und katalogisiert, also mindestens noch mal querliest um sie einordnen zu können. Werke die teilweise lange Zeit vollkommen ungelesen waren."

Loflains Augen leuchteten auf: "Echte Schriften? Faszinierend!"

Sie kamen zu der Wohnung des Professors. Der Irisscanner erkannte ihn und öffnete die Tür, dahinter kam die Holztür zum Vorschein. Loflain beäugte sie neugierig. Der Professor schloss sie auf, öffnete sie ein Stück und blickte plötzlich beunruhigt zurück zu Loflain und erklärte: "Warte hier einen Augenblick!"

Er öffnete die Tür. Loflain sog Luft und geschockt die Hand auf den Mund. Yonatan stockte erst und murmelte "Oh nein" und stürzte daraufhin hinein zu der in seinem Flur zusammengebrochenen Gestalt im schwarzen Mantel. Loflain trat vorsichtig näher und schloss die Tür und hockte sich neben die Gestalt.

"Was ist passiert?", rief Yonatan. Aus der schwarzen Kapuze drang eine zitternde Stimme: "Die Hopro-zelle ist aufgeflogen. Habe die Daten, wurde angeschossen, schütz die Daten!"

Eine blutverschmierte Hand reichte einen Datencube aus dem Umhang. Loflain blickte zu Yonatan: "Ich kann helfen. Ich habe eine medizinische Ausbildung. Hast du eine Medizintasche?"

Yonatan sprang auf und rannte durch das Wohnzimmer ins Bade. Loflain fasste mit der linken die blutverschmierte Hand und schob mit der rechten den Mantel zurück.

"Durchhalten! Wir können dir helfen!"

Zitternd am bodenliegend begann er zu grinsen, während seine krumme Nase hektisch Luft sog: "Freut mich auch... dich... kennen zu lernen."

Loflain sah auf seiner linken Seite eine klaffende verbrannte Wunde von einer Plasmapistole. Yonatan kam mit der medizinischen Grundausstattung zurück. Loflain desinfiziert sich die Hände, dann säuberte und desinfizierte sie die Wunde, wobei der angeschossene Blonde sich krümmte und mit geschlossenen Augen schwer atmete. Sie suchte ein Instrument um Adern zu verschließen und die Blutung zu stoppen. Sie nahm schnell eine Blutprobe und eine wenig Fleisch und drückte dann großflächig das Blut aus dem Bereich mit einem Druckverband. Sie blickte zu Yonatan. Ich kann Blutkonserven besorgen. Ich habe für meine Praktika sowieso welche und ich habe Zugang zu einem Labor um schnell wachsendes Gewebe zu besorgen um die Wunde abzuschließen. Er kann das überleben, wenn er jetzt nicht zu viel Blut verliert. Pass auf, dass er sich nicht bewegt. Ich bin in zehn Minuten mit dem Material zurück."

Yonatan blickte sie ernst an: "Loflain, du musst das nicht tun. Aber ich bitte dich, bei allem Anstand, niemandem etwas zu sagen."

Loflain nickte, streifte ihren Pullover ab um keine Blutspuren auf ihrer Kleidung zu tragen und verschwand durch die Tür. Yonatan fasste die Hand des Verwundeten und fragte: "Was ist mit den anderen bei dem Treffen passiert, Tailor?"

Tailor blickte kurz zu ihm auf: "Alle tot... haben mir den Rücken... freigehalten. Ist sie ... sauber?"

Yonatan seufzte: "Sie schon, aber ihr Umfeld ist gefährlich. Für's erste bist du auf jeden Fall hier sicher."

Tailor schloss die Augen: "Sie sagt nichts... sie hat schon... Geheimnisse... Danke Yonatan... und danke ihr... falls ich... nicht mehr kann." und damit schwanden Tailor die Sinne.

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