Humanation

3. Kapitel: Friedenswache

Ming Guang erwacht schon zum dritten Mal auf den riesigen Schroffhaufen. Unter ihrer Hängematte fuhr John hindurch und piepst einen guten Morgen. Ming strich über den Sensor. Langsam konnte sie sich mit dem Gedanken anfreunden, dass das kleine Ding sie nicht im Schlaf töten würde. Inzwischen empfand sie für den kleinen John fast soetwas wie Fürsorge. Er war schließlich noch jung und gewiss keins der Monster, die für den Cyberkrieg verantwortlich waren. Die Begegnung mit ihm, Jano und Hikari eröffnete ihr die Möglichkeit zu erfahren, was sonst wohl niemand in Humanation je erfuhr, zu begreifen, dass unter ihren Feinden genauso unterschiedliche und mitunter sogar freundliche Wesen sein konnten.

Sie stand auf und blickte sich nach Hikari um, aber die war nigends zu sehen. Darum ging Ming zur Tür. Rosarot stieg die Sonne über die glitzernden Schrotthaufen und sich öffenden Blumenkelche. Schleierwolken zogen über den Himmel. Auf einem Metallberg neben den Resten eines veralteten Flugzeugwracks stand Hikari und blickte in den Himmel zu den gelben Wolkenstreifen, die sich über den Himmel zogen auf sie zu. Ming trat neben sie. Hikari lächelte glücklich: "Da kommt Syfor."

"Das Raumschiff?", fragte Ming.

Hikari nickte: "Du solltest schon mal packen."

Ming ging hinein und steckte ihr Datenpad und das Buch von Hikari in ihre Tasche, nahm ihre schwarze Jacke und ging zum Kühlschrank um etwas zu essen. Dieses selbstproduzierte Essen war einfach zu lecker.

Syfor war inzwischen gelandet und redete mit Hikari und erzählt von seinen Abenteuern in den endlosen Weiten. Jano tapste voll Freude den alten Freund zu sehen in Syfor hinein. "Bevor meine Arbeitskapazitäten sich in der Wiedergabe der Vergangenheit vollkommen verlieren. Ich habe gestern jemand aufgefischt, den muss ich wieder aufsammeln, wenn wir weiter wollen und ich sollte ihn da nicht mehr länger als 12 Stunden lassen, also sollten wir uns beeilen", bemerkte Syfor.

Hikari riss die Augen auf: "Was?! Na dann nichts wie los!" Sie rannte hinein, griff ihren gepackten Rucksack und eine Umhängetasche und rief John und Ming zu sich zu beeilen. Ming sah ihr hinterher, wie sie wie ein Wirbelwind aus dem Raum verschwand, und folgte ihr verwirrt zu dem kleinen Schiff. Kaum waren sie und John an Bord schloss sich das Schiff und startete. Ming setzte sich sofort auf eine Bank an der Seite und sicherte sich mit einem Gurt.

"Willkommen an Bord. Sie befinden sich in einem Raumschiff des Typen Syfor. Wir verlassen die Atmosphäre von Goon in 25 Minuten und fliegen mit einem Zwischenstopp nach Ying im Omegasystem. Sollten sie einen Wunsch haben oder ihnen unbehaglich sein, wenden sie sich vertrauensvoll an ihr Schiff. Ich wünsche euch einen guten Flug!" dröhnte Syfors Lautsprecher.

Hikari lächelte: "Danke, Syfor!"

John flitze aufgeregt hin und her. Er war noch nie im Weltraum gewesen. Nach 25 turbulenten Minuten verließ Syfor die Atmosphäre, schaltet um auf Kurs zu kommen auf den 1-g Antrieb und manövrierte in Richtung Mothsystem. 2 Stunden später befanden sie sich in Position für einen linearen Überlichtsprung. Ming war noch mit Frühstücken beschäftigt, das wegen ihres abrupten Aufbruchs nicht möglich gewesen war. "Liebe Besatzung, bitte macht euch bereit für den Überlichtsprung." erklärte Syfor und wartete geduldig, bis jeder seine Position eingenommen hatte, und verschwand in einer Raumzeitkrümmung.


Riano schwebte hilflos durch die Schwerlosigkeit und allmählich ging der Sauerstoffvorrat zur Neige. Ineffizienter veralter Anzug, dachte Riano in einer Art Halbschlaf. Er versuchte seine Körperaktivität so weit wie möglich einzuschränken um Sauerstoff zu sparen. Schon 10 Stunden hing er hier mitten im Raum. Er hatte schon versucht durchzurechnen, wie wahrscheinlich eine Rettung an dieser Position sein würde, und das Ergebnis war nach sorgsamer Betrachtung aller Variablen ernüchternd. In den verbleibenden 2 Stunden würde wohl niemand kommen und er würde nun doch letztlich im Weltraum ersticken. Das hätte er auch schneller haben können. Er hätte einfach bei der Explosion der K7 alpha sterben sollen. Er seufzte und blickte auf in den Sternenhimmel. Eine schwammige Erinnerung stieg in ihm auf. Davon hatte er doch geträumt, als er noch ein Kind war, zwischen den Sternen in die Endlosigkeit schweben. Der Gedanke beruhigte ihn auf eine ungewöhnliche Art. Wo kam dieser Anflug von Nostalgie her? Die Sauerstoffunterversorgung musst wohl schon einsetzen.

Eine plötzliche Kälte überfiel ihn, die ebenso schnell verschwand, wie sie gekommen war. Er kannte das Gefühl. Er rematerialisierte und krachte auf den Boden, eines Schiffes, nicht irgendeines Schiffes, des Schiffes das ihn zurückgelassen hatte.

"Wir haben den Anhalter an Bord!" rief Hikari.

"Wie gehts ihm?" fragte Syfor. Hikari bückte sich und öffnete dem hilflos von der Last des Anzugs überfordert auf dem Rücken liegenden Riano die Schnallen und nahm seinen Helm ab. Er blickte verwirrt in das Gesicht des jungen Mädchens, dessen eines Auge mit einem Pflaster abgeklebt war.

Sie lächelte: "Na wie gehts?" während sie ihm Stück für Stück aus dem Anzug half. Er hörte ihre Stimme nur wie aus weiter Ferne gedämpft. Er musterte ihre Mimik und er wusste nicht, warum sie ihn so sehr an seine Kindheit erinnerte. Er spürte auf einmal, wie seine Gesichtsmuskeln unbewusst die Mimik nachgeahmt hatten, wodurch er sich besser fühlte.

Er fasste sich wieder, zog die Augen zusammen und rief: "Ich muss sofort nach Greenearth und Bericht erstatten, lenkt das Schiff nach Greenearth. Das ist ein Befehl!" Hikari schreckte etwas zurück.

Ming blickte ihn nur eine Augenbraue hebend an: "Das ist kein militärisches Schiff. Wer bist du überhaupt?"

"Oberleutnand Riano, Waffenoffizier der K7 alpha", gab Riano an.

Ming seufzte: "Wir fliegen nach Ying. Wenn du nach Moth willst, musst du dir eine andere Mitfluggelegenheit suchen."

Riano setze sich auf: "Ying? Ich habe gesagt, wir fliegen nach Greenearth! Das war ein Befehl!"

Ming zeigte sich wenig beeindruckt: "Du kannst froh sein, dass wir dich aufgefischt haben. Jetzt auch noch Forderungen zu stellen wirkt sehr undankbar."

Hikari versuchte zu verhandeln: "Ich denke, du bist schon einige Zeit unterwegs. Inzwischen wird die Nachricht sicherlich auch ohne deinen persönlichen Bericht Moth erreicht haben. Auf einen Tag mehr kommt es jetzt auch nicht mehr an. Ich bin übrigens Hikari."

Sie hielt ihm die Hand hin. Ming musterte ihn misstrauisch aus dem Hintergrund. Riano blickt nur verwirrt von einer zur anderen, bis er Hikaris Hand schließlich zögernd nahm.

Ming seufzte missmutig: "Was fangen wir jetzt mit einem Waffenoffizier auf einer Forschungsreise an?"

Ming war sichtlich nicht begeistert ihn an Bord zu haben. Wenn ihm auffiel, wo sie herkamen, hatte sie mit einer deutlichen Strafe zu rechnen und noch schlimmer war es, wenn ihm auffiel was Hikari oder Syfor oder John und Jano waren, die sich sicherheitshalber in den Standby gebracht hatten. Soetwas konnte als terroristischer Akt falsch verstanden werden. Und dann musste er auch noch so ein uneinsichtiges Exemplar sein, das offensichtlich wenig Verständnisse für die Bedürfnisse von Personen außerhalb seiner Dienstordnung hatte. Ming war schon selten bei ihren Forschungen gut mit den Friedenswachen klargekommen. Besonders auf Labro hatte sie nur schlechte Erfahrungen gesammelt und die trübten ihr Vertrauen in die Friedenswachen.

Hikari lächelte ihn wieder an, als sie ihm hoch half: "Sicherlich ist es nicht schlecht jemand vor dem Ersticken zu retten. Und sobald wir wieder auf einer habitablen Welt stehen, können wir alle unserer Wege gehen."

Als er stand, wurde ihm schwarz vor Augen. Er schwankte und Hikari setzte ihn vorsichtig auf eine Stahlbank an der Seite. Er hatte ein Barotrauma erlebt, vermutlich ein gerissenes Trommelfell, möglicherweise einen Sauerstoffmangel und seit einem halben Tag nichts mehr gegessen oder getrunken, jetzt machte es sich alles bemerkbar. Er schloss die Augen und holte tief Luft. Er versuchte sich auf etwas anderes als das Fiepen in seinem Ohr und die Gelenkschmerzen zu konzentrieren. Gedämpft drang Hikaris Stimme zu ihm durch: "Womit kann ich dir helfen?"

Ein Teil von Hikari hatte großes Verständnis für ihn, auch wenn er in dieser zivilen Situation so schlecht klar kam. Friedenswachen kamen häufig schon mit sehr jungen Jahren auf Militärschulen. Sie hatten dann kaum noch ein ziviles Leben.

"Essen!", antwortet Riano knapp. Ming schüttelte missbilligend den Kopf. Aber Hikari blieb freundlich und holte eine Dose mit einem violetten Mus und einen Löffel hervor. Riano musterte es skeptisch. Hikari nahm selber einen Löffel und aß: "Das ist voll okay!" Riano nahm die Dose immer noch mit sichtlichen Vorbehalten, doch in Ermangeln anderer Optionen begann er zu essen.

Er sollte tot sein, dachte Riano. Was, wenn er tatsächlich im Sterben lag und halluzinierte auf Grund von Sauerstoffmangel. Das alles hier wirkte nicht sonderlich real. Das Schiff, das verschwunden und wieder aufgetaucht war, eine asiatische Professorin und eine Frau, die all die vergessenen Gefühle der Kindheit durcheinander wirbelte. Sein Geist musste inzwischen schon sehr verwirrt sein. Vielleicht würde es gleich aufhören und er tot sein. Er sollte es genießen, solange er konnte. Mit dem ersten Löffel merkte er, dass es köstlich schmeckte. Er konnte sich nicht erinnern etwas so fruchtiges, so geschmacksintensives je gegessen zu haben.

Er blickte anerkennend auf zu Hikari: "Gute Arbeit!"

"Danke!", antwortete Hikari sichtlich erfreut. Rianos Gesicht formte wieder ihre Mimik instinktiv nach und es fühlt sich gut an. Er fühlt klarer und tiefer als er seit Langem gefühlt hatte. Aber es mischte sich schleichend noch ein Gefühl ein. Während er aß, musterte er Hikari lange ihre glatten blonden Haare und ihr lebendiges blaues Auge, das ihn freundlich anblickte. Ihre Gesicht wirkte aufrichtig und ungestellt. Er konnte so gut wie nie zuvor nachempfinden, was es aussagte. Er hatte schon lange kein solches Gesicht mehr gesehen. Bei den Friedenswachen war es wichtig ausdrucksleere und emotionslose Gesichter zu haben, alles andere würde von ihrem Auftrag ablenken. Er hatte scheinbar vergessen, wie gut empathische Reaktionen taten. Er hätte niemals geglaubt, dass diese Gefühle überhaupt noch in ihm schlummerten, wenn auch nur in einem absurden Traum. Er ahmte Hikaris hochgezogenen Mundwinkel und Wangen und die gehoben Augenbrauen nach und empfand sie wie ein Spiegel seines Geistes.

Er fühlte sein Herzschlagen und ihm wurde warm, eine derartige Reaktion hatte er noch nie erlebt, es musst mit seinem physischen Trauma zusammenhängen.

Er blickte auf zu Ming: "Haben sie medizinische Kenntnisse?"

Er dachte sich: was für eine lächerliche Frage, falls das wirklich nur ein Traum war.

Ming lachte: "Junge, Junge. Ich bin Professor für Exobiologie und du fragst mich ob ich Kenntnisse habe. Aber wir haben hier kaum medizinische Ausrüstung an Bord. Ich kann dir hier kaum helfen."

Riano erläuterte: "Ich wurde ins Vakuum gerissen und bin in einem Raumanzug 10 Stunden geschwebt, es würde sicher helfen die Schäden zu begutachten."

Ming stand auf und hockte sich vor ihn. Sie nahm sein Handgelenk und überprüfte seinen Puls Geschwindigkeit. Dann kniff sie ihn unvermittelt in den Fuß. Er schrie auf. Als nächstes tastet sie seine Wangen und die Seite der Nase ab.

"Hikari, hast du eine Taschenlampe?"

Hikari reichte ihr eine. Ming leuchtete in seine Ohren.

Sie fasste zusammen: "In Anbetracht der Lage hast du echtes Glück. Es scheinen sich keine Embolien im Rückenmark gebildet zu haben und sonst wären die Beine wahrscheinlich inzwischen taub. Es können sich an anderen Stellen Embolien gebildet haben. Sollten du bemerken das irgenwelchen Körperteile sich lahm anfühlen oder sich dein Bewusstsein weiter trübt, kann das allerdings auf eine Embolie im Gehirn deuten. Deine Nasennebenhöhlen tun dir sicherlich weh, aber du kannst froh sein. Sie sind nicht gerissen genauso wie dein linkes Trommelfell. Dein rechtes Trommelfell ist gerissen. Normalerweise kann man das unkompliziert sofort behandeln in jeder normal ausgestatteten Praxis, aber es wächst auch einfach nach ein paar Wochen wieder zusammen. Die Haut sieht inzwischen wieder gut aus. Es sind nur wenige blau-grau Verfärbungen sichtbar. Die meisten Gelenk- und Muskulaturschmerzen durch Dekompression sollten bald abklingen. Vielleicht wird noch ein Muskelkater davon zurückbleiben. Aber das hältst du sicher aus. Der niedrige Blutdruck kann auf eine Sauerstoff- und Zuckerunterversorgung zurückzuführen sein. Iss einfach was und benutze den Inhalator, wenn du Atemnot verspürst."

Riano fügte sich instinktiv in der Rangordnung unter Ming, da sie ihn duzte. Riano nickte: "Jawohl!"

Ming seufzte: "Nichts zu danken... "

Er versuchte rational zu blieben, etwas anderes blieb ihm eh nicht.

"Wann werden wir für den nächsten Überlichtsprung bereit sein?", fragte er.

Hikari erklärte: "Das wird noch eine ganze Weile dauern. Wir haben die Antimaterie aufgebraucht um noch rechtzeitig her zu kommen. Ich denke, wir werden frühstens in 12 Stunden die notwendige Energie bereithaben."

"Unausreichend!" befand Riano.

Ming war es zu dumm ihm zu antworten und sie setzte sich wieder auf den Pilotensitz, das waren ja Aussichten. Hikari holte weitere Vorräte hervor und gab Riano etwas und bot auch Ming etwas an.

Riano bemerkte, dass Ming sich verstimmt abgewandt hatte, und versuchte eine positive Annäherung zu finden: "Professor, wenn ich fragen darf, an welcher Universität lehren sie."

Ming blickte auf, etwas gerührt von seinem Versuch eine Konversation zu führen: "An der Anpin Universität, auf Ying. Meine Name ist übrigens Ming Guang."

"Es freut mich sie kennen zu lernen."

"Ganz meinerseits!" lächelte Ming, "und was führt dich hier her?"

Riano erklärte: "Ich bin mir darüber noch nicht ganz klar. Mein Schiff wurde vernichtet und ich ins All geschleudert. Allerdings bin ich daraufhin in diesem Schiff aufgewacht, oder zumindest glaube ich das. Ich habe versucht nach Greenearth zu kommen, aber das Schiff hatte eine Fehlfunktion und hat mich bei dem Versuch es zu reparieren zurückgelassen. Jedenfalls ist, dass alles woran ich mich erinnere. Es klingt unwahrscheinlich, nicht wahr?"

Ming nickte.

Hikari warf ein: "Es geschieht auch das unwahrscheinlich, nur erwartet man es nicht. Man könnte es auch Glück nennen."

Riano blickte sie an und lächelte: "Glück? Ein seltsames Konzept. Ich bin ehrlich gesagt geneigt meinen Wahrnehmungen nicht mehr zu trauen, allerdings sind alle Beobachtung konsistent mit dem Verlauf der Ereignisse, an die ich mich erinnere. Wie sollte ich sonst mitten im All in einem Raumanzug gestrandet sein? Es ist allerdings schon eine glückliche Gegebenheit noch am Leben zu sein."

Ming erklärte: "Die Krankheitssymptome passen auf jeden Fall mit der Geschichte zusammen. Du hast in der Tat Glück am Leben zu sein."

"Ist es das?" fragte Riano.

Hikari lächelte: "Ich denke schon. Das Überleben wird im Allgemeinen schon als wünschenswert angesehen. Macht es dich traurig möglicherweise der einzige Überlebende zu sein?"

Riano war irritiert: "Traurig? Ich bin enttäuscht von der Inkompetenz der Bestatzung. Sie hätte nicht sterben müssen, hätte sie sich mehr angestrengt."

Riano blickte in Hikaris sorgenerfüllten Augen und er merkte doch in sich, dass er mehr fühlte als das. Langsam stieg in ihm Verzweiflung hoch. Er realisierte das erste mal, dass er seine Heimat verloren hatte, und es schnürrte ihm die Kehle zu er keuchte: "Du hast recht!"

Er fühlte, wie seine Augen sich mit Flüssigkeit füllten. Hikari setzte sich neben ihn und legte ihm die Hand auf die Schulter.

Er holte tief Luft: "Es ist traurig."

Er sah zu Hikari auf: "Aber das ist unsere Pflicht. Wir müssen Humanation beschützen."

Ming schüttelte den Kopf und dachte: Humanation oder die Bevölkerung?

Riano versuchte das Thema zu wechseln: "Wie ist es ihnen überhaupt gelungen mich zu finden?"

Hikari antwortete zögerlich: "Das Schiff hat es uns gesagt. Also, immerhin ist der Raumanzug ja von diesem Schiff. Es hat sich die Position des Anzugs gemerkt."

Riano nickte: "Das macht Sinn. Haben sie denn die Fehlfunktionen repariert?"

Hikari kratzte sich etwas verlegen am Hals: "Ich denke nicht, dass es zu weiteren Fehlfunktionen kommen wird."

Riano blickte zu Ming: "Kennen sie sich denn auch mit Raumschiffen aus?"

Hikari räusperte sich vorsichtig: "Ich kenne mich mit Raumschiffen aus. Ich wurde zum Ingeneuer ausgebildet."

Riano blicke sie von oben bis unten an: "Du bist schon ein Ingeneuer? Du bist doch kaum 20 Jahre alt. Beachtlich."

Hikari konnte doch kaum eine studentische Hilfskraft aus einem niedrigen Semester sein. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie einen zivilen Abschluss hatte. Das machte keine Sinn. Bei den Friedenswachen war es normal jung spezialisiert zu sein, aber normalerweise setzte die zivile Ausbildung erst auf spätere Spezialisierung, hatte er gelernt.

Er wand sich an Ming: "Dann ist sie ihre Pilotin, Professor?"

Ming lachte: "Nein, sie ist meine Kollegin."

Riano war jetzt noch verwirrter. War es sein Kopf, der ihm Streiche spielte? Aber er fragte nicht mehr nach.

Hikari fragte: "Von wo kommst du denn?"

Riano erläuterte: "Ich wurde auf Newland geboren, bin mit 14 Jahren dem Militär beigetreten und wurde mit 18 Jahren zum Unteroffizier befördert und diente in der Verteidigung des Mothsystems für 8 Jahre. Dabei bin ich zum Leutnant aufgestiegen. Vor 5 Jahren wurde ich befördert und nach Omega versetzt als Oberleutnant und Waffenoffizier auf der K7-alpha. Es war ungewöhnlich, dass das Schiff überhaupt so lange durchgehalten hat bei der Bedrohungssituation in Omega."

"Ich bin noch nie auf Newland gewesen. Ist es schön?", fragte Hikari.

Riano stockte: "Schön? Als einer der inneren Humatmonde ist es etwas kälter und es gibt starke Gezeiten bedingte Stürme. Ansonsten ist das Klima angenehm im Schnitt bei 13°C. Wo kommst du denn her?"

Hikari überlegte kurz und antwortete: "Von Purentia. Das ist nicht gerade der wohnlichste Ort. Aber diese wundervolle glitzernde Eisfläche im Planetenlicht besitzt schon eine außerordentliche Schönheit."

"Purentia? Warum bist du keine Friedenswache geworden?"

Purentia war ein Eismond im Fheresystem, der nur durch Geothermie auf Temperaturen um den Gefrierpunkt gehalten wurde. Dort gab es keine Städte, sondern nur Forschungseinrichtung und Stützpunkte. Kinder, die dort aufgezogen wurden, wurden mit der Absicht dort aufgezogen führende Offiziere zu werden. Es war selten, dass solch ein Kind keine militärische Laufbahn einschlug.

Hikari lächelte verlegen: "Ich bin gut darin Schiffe zu reparieren, aber ich bin nicht gut darin Leute sterben zu lassen."

Riano nickte: "Aber es geht als Friedenswache doch nicht ums sterben lassen, sondern ums Leben lassen."

Hikari schüttelte den Kopf, für den Bruchteil eines Augenblicks glaubte Riano in ihren Augen Wut aufblitzen zu sehen, doch sie verschwand sofort wieder: "Wie auch immer. Ich möchte kein Soldat sein."

Riano kam ein komischer Gedanke: "Schade, wir hätten vielleicht eines Tages den Menschen zusammen dienen können."

Hikari seuzte und lächelte ihn an: "Wer weiß vielleicht werden wir das ja, aber nicht mit Waffen."

Riano nickte.

Ming gähnte und rief Hikari: "Übernimm mal den Pilotensitz! Ich muss schlafen."

Hikari stand auf und setzte sich auf den Pilotensitz. Ming nahm sich einen Schlafsack und klettete ihn an den Boden. Syfor dämpfte das Licht. Riano lehnte sich zurück und blickte Hikari vor dem Sternenhimmel an. Sie tippte einige Dinge auf dem Panel. Riano musterte sie genau und ihre Worte klangen durch seinen Kopf. Er war verwirrt von einer Flut an Emotionen, die in ihm aufgekommen waren und ihn durchströmte und er wusste kaum, wie er sich zu erst fühlen sollte. Es war so irreal und doch wünschte er sich, es sei kein Traum. All die Spuren, die die Geschehnisse hinterlassen hatten, kamen jetzt zum Vorschein und er fühlte, wie seine Augen feucht wurden. Das war ihm nicht mehr passiert, seit er ein Kind war. Plötzlich konnte er wieder klar und tief fühlen wie verzweifelt er über den Verlust seines Schiffes war und, dass er Angst gehabt hatte zu sterben. Eine Tropfen lief über seine Wange. Hier war etwas anders. Hier hatte er Raum um zu fühlen und darüber nachzudenken. Aber das war es noch nicht, er hat nichts fühlen können und nicht einfach nur, weil er keinen Raum dazu gehabt hatte. Etwas war hier anders und er fühlt etwas, was er nicht verstand, wenn er Hikari betrachtete, wenn das schwache Licht des Schaltpultes ihr Spiegelbild auf die Frontscheibe zwischen die Sterne warf. Er hatte nicht gewusst, wie er hätte beurteilen sollen, ob Newland schön war. Aber wenn er sie anblickt, wusste er genau, dass sie schön war in ihrem ganzen Wesen und er wusste nicht, woher das kam. Er schätzte sie, aber es war mehr. Sie war ihm wichtig. Wo kam diese Erkenntnis her? Er grübelte in ihren Anblick vertieft.

Irgendwann stand er auf und setzte sich in den Copilotensitz neben sie. Sie blickte kurz lächelnd zu ihn hinüber, eh sie wieder hinausblickte: "Geht es dir besser?"

Er nickte: "Ich denke. Ich fühle mich nicht mehr unterzuckert, die Schmerzen klingen ab und ich kann klarer denken und fühlen." Er schwieg einen Augenblick und holte Luft: "Ich habe Angst, es ist gleich vorbei. Was sollte ich tun, wenn das alles nur eine Halluzination ist, während ich sterbe? Ich werde nicht mehr aufwachen oder?"

Hikari lachte: "Wenn das so ist, führst du Selbstgespräche. Aber das ist nicht wahr, es sei denn wir alle leben in diesem Traum, denn ich weiß nicht, was du denkst und du weißt nicht, was ich denke. Wir existieren in einer gemeinsamen Realität, die wir beide erfahren können. Du stirbst nicht. Du bist wirklich hier."

"Das muss furchtbar dumm geklungen haben, was ich gerade gesagt habe."

Hikari schüttelte den Kopf: "Nein, ich denke das ist verständlich, wenn man gerade dem Tod entronnen ist. Außerdem finde ich, ist es wichtig seine Ängste zu kennen und mutig über seine Ängste zu sprechen."

Riano blickte zu ihr hinüber. Er konnte sich nicht daran erinnern, das jemand so ehrlich mit ihm gesprochen hatte. So etwas war auch nicht angebracht unter Friedenswachen, aber er merkte, dass es ihm gut tat es auszusprechen. Hikari war so anders, so viel empathischer.

Ihr Auge wanderte verlegen zu ihm hinüber: "Vermutlich war das dumm zu sagen. Du wolltest vermutlich gar nicht hören, was ich darüber denke. Tschuldigung."

"Doch!", versicherte Riano rasch, "Das wollte ich. Austausch ist gut. Ich schätze deine ehrlichen Antworten."

Sie kicherte leise: "Und das ganz ohne Erlaubnis frei zu sprechen, Oberleutnant? Du bist außergewöhnlich für eine Friedenswache. Ich bin wirklich froh, dass wir dich getroffen haben."

"Das Gleiche lässt sich über dich sagen, Kadett. Natürlich solltest du frei sprechen, du bist doch nicht mal mehr eine Friedenswache schon gar nicht meine Untergebene und ich finde deine Gedanke wertvoll."

Hikari seufzte lautlos.

Riano bemerkte es: "Habe ich was Falsches gesagt?"

Sie schüttelte den Kopf: "Nein... alles, was du gesagt hast, war wirklich freundlich. Es ist nur... ich wünschte nur wir, hätten die Gelegenheit uns näher zu kommen."

Riano lächelte: "Werden wir hier nicht noch einige Stunden zusammen festhängen?"

Hikari nickte: "Du hast recht. Wir sollten das Beste daraus machen, Riano."

Riano nickte und starrte hinaus: "Wenn wir Glück haben, hat der Überlichtantrieb immer noch einen Schaden. Eigentlich bin ich für genau dieses Gefühl zum Frieden gegangen. Um in der Endlosigkeit zwischen den Sternen zu fliegen, hinaus zu sehen auf die winzigen Punkte, als die unsere Zivilisation hier draußen leuchtet, und die fernen Milliarden Jahre weit entfernten Galaxien am Rande unseres Universums."

Hikari lächelte und folgte seinem Blick: "Das ist wunderschön. Ich kann dich gut verstehen. Das ist das schönste daran Forscher sein, hinaus zu fliegen in diese unendliche Weite von Stern zu Stern und Welten zu entdecken, Sternenlicht in den Eisringen ferner Gasriesen glitzern zu sehen und sechs Sonnen über den Horizont eines Mondes aufgehen zu sehen. Das Universum ist so groß und voller Wunder."

Riano seufzte: "Wenn wir nur einfach weiter reisen könnten."

"Niemand hindert dich!"

Er schüttelte den Kopf: "Ich habe einen Eid geschworen die Menschen zu verteidigen und es wäre feige, jetzt einfach aufzugeben. Ich bin eine Friedenswache. Vielleicht werde ich ja zu einer Erkundungsmission eingeteilt -irgendwann-."

Hikari seufzte: "Das heißt wohl, wir werden nicht viel Gelegenheit haben."

"Wieso? Unsere Berufswahl sollte doch kein Faktor sein, der den Umgang unmöglich macht. Ich würde deine Gesellschaft auch unter anderen Umständen noch schätzen." Er blickte Hikari an und merkte, wie sie etwas errötete, was bei ihm die gleiche Reaktion hervorrief.

Sie erwiderte: "Wenn das so ist, werden wir uns bestimmt wiedersehen."

Sie betrachteten wieder beiden eine Weile die Weite vor ihnen. Irgendwann murmelte Riano: "Ich glaube, ich war noch nie so froh am Leben zu sein." Hikari lächelte zu ihm hinüber und er lächelte zurück für, was ihm wie eine Ewigkeit erschien. "Ich bin auch froh, dass du lebst", erwiderte sie und verlor sich wieder in der Weite und begann leise sanft zu summen. Die Sterne spiegelten sich in ihrem blauen Auge.

Und Riano schlief schließlich über ihrem Bild ein.


Als er wieder aufwachte, saß wieder Ming in dem Pilotensitz und Hikari saß in einer anderen Ecke bei einigen eigenartigen Metallkonstruktionen. Er stand auf und ging zu ihr hinüber. Er betrachtet John und schreckte auf: "Dieses Modell ist sowohl mit Sensoren als auch mit Mobilität ausgestattet. Der Sensor muss entfernt werden. Das stellt sonst eine Cygefahr dar." Er nahm John in die Hand hoch. Und versuchte an dem Photosensor zu schrauben. John begann panisch zu piepen. Riano erschreckte und wollte John gegen die Wand schleudern. Ein Zucken durchlief Hikari und mit dem nächsten Atemzug hielt sie Rianos Hand mit der linken fest und drückte sie zusammen, sodass sie fast brach. Vor Schmerz verzog er das Gesicht und ließ John fallen. Hikaris Rechte fing John auf. Mit einem furchteinflößenden zornigen Blick gebot sie: "Du fasst ihn nie wieder an! Hast du verstanden?" Riano blickte sie entsetzt an. Sie war eine vollkommen andere. Ihre ganze Mimik, ihre Stimme hatte sich vollständig geändert. Er nickt erschrocken. Hikari ließ ihn los und setze John vorsichtig auf den Boden und strich über seinen Sensor: "Bist du in Ordnung?"

John piepste noch aufgeregt protestierend, während Hikari ihn beruhigte. Riano hielt sich fluchend die Hand. Er stolperte zurück auf die Metallbank und blickte voll Furcht auf das kleine piepsende Monstrum und verwirrt auf das den Roboter liebevoll tröstende Mädchen. Er erkannte sogar den Morsecode aus seiner Ausbildung. Der Roboter hielt scheinbar ihn für ein Monster.

"Hikari du solltest lieber Abstand halten, die Maschine muss eliminiert werden, bevor sie zu mächtig wird."

Sie wand sich ihm zu mit den gleichen freundlichen Zügen, die er gewohnt war, und fragte ernst: "Muss der Mensch auch vernichtet werden, wenn er beginnt selbstständig zu denken?"

Riano starrte sie an: "Natürlich nicht?"

"Warum soll das dann für Maschinen gelten?"

Hikari stand auf und setzte sich wieder neben ihn.

"Du solltest ihre Heimtücke nicht unterschätzen", warnte Riano und blickte auf ihre Linke, er zog den Handschuh, den sie trug zurück, und erschauderte: "Du musst das sofort entfernen! Das ist ein Cyimplantat. Das ist gefährlich. Hast du das nicht gemerkt? Die Boshaftigkeit der Roboter versucht dich einzunehmen. Komm mit nach Paradis! Dort kann das Implantat sicher entfernt werden."

Hikari fing nur laut an zu lachen. Ming schüttelte verständnislos den Kopf: "Ja, Hikari ist also die, die sich ändern muss."

Riano war verwirrt.

Hikari antwortete: "Du bist Waffenoffizier, richtig? Haben deine Hände nicht schon Hunderte Menschen mehr getötet als diese Hand?"

Riano sah sie nur schief an. Hikari schüttelte den Kopf und wandte sich ab. Das schmerzte Riano.

Er wollte es wieder gut machen: "Du bist aber ein guter Mensch und das ist eine Wunde, die man heilen kann."

Hikari blickte ihn wieder an und lächelte zaghaft und er antwortete ihrem Lächeln.

Syfor dröhnte: "Antimateriekapazität bei 60% !"

"Das freut mich zu hören!" grinste Ming, "Wir sind bereit für den Überlichtsprung nach Omega. Schnallt euch an."

Hikari und Riano schnallten sich an der Bank fest. Syfor setzte den Antrieb aus und sie schwebten. Syfor zählte: "Überlichtsprung in 3, 2, 1!" Totale Finsternis umfing sie. Riano legt seine Hand auf Hikaris Hand und fühlte ihre Wärme, die auch ihn begann zu durchströmen.

Nach wenigen Minuten sahen sie die Sterne wieder vor sich. Riano zog seine Hand verlegen zurück. Hikari aber blickte nur in den Himmel hinaus. Der Stern Omega leuchte groß und klar vor ihnen.

Ming strahlte: "Fast Zuhause!"

In diesem Augenblick dröhnte Syfor: "Unbekanntes Flugobjekt in Reichweite. Unbekanntes Flugobjekt."

Hikari stand auf und ging zu der Schalttafel um sich die Schiffsdaten genauer anzuschauen. Sie drückte etwas auf einem Touchscreen und murmelte: "Das ist ja riesig!"

Syfor meldete: "Einkommendes Kommunikationssignal."

Hikari öffnete den Kommunikationskanal. Auf dem Display erschienen die grinsenden, markanten Gesichtszüge eines vielleicht 30 bis 40 Jahre alten Mannes von einer Narbe über der linken Augenbraue und der rechten Wange gezeichnet und ein schwarzer Knopf mit einem roten Stern in dem rechten Nasenflügel. Er winkte ins Bild: "Willkommen im Omegasystem! Wir sind das Begrüßungskommando und würden euch nur zu gerne persönlich begrüßen und eine Weile bewirten. Also kommt doch auf unseren bescheidenen Kreuzer. Andernfalls werden wir mindestens ein kleines Feuerwerk für euch starten. Piratenkapitän Reff Ende."

Das Kommunikationssignal brach ab und das leise Rauschen des Displays erfüllte den Raum, denn keiner wagte etwas zu sagen.

"Wie kampfstark ist dieses Schiff? Welche Sicherungen besitzt unser Schiff, wo sind die Waffensysteme?"

Riano fühlte sich in seine Arbeitsroutine zurückversetzt. Er schob Hikari zur Seite um selbst einen Überblick über die Situation zu gewinnen und bemerkte bei einem Blick auf das Display nur: "Suboptimal! Eine Kampfsituation ist aussichtslos mit diesem unbewaffneten Schiff."

Hikari lächelte hilflos: "Vielleicht sollten wir uns einfach stellen."

Ming Guang bestätigte duster: "Als bliebe uns eine Wahl."

Riano war unzufrieden mit diesem Entschluss, doch er fand keine Alternative. Hikari kommandierte Syfor in Richtung des Kreuzers.

"Haben wir irgendwelche Waffen an Bord?", fragte Riano an Ming gerichtet.

Ming blickte ihn skeptisch an: "Was soll uns das helfen?" "Den Schaden am Feind maximieren!"

Hikari seufzte, während sie durch die Scheibe vor sich den riesigen, Hunderte Meter langen Kreuzer musterte und auf ihn zu manövrieren ließ: "Wenn wir am Leben bleiben, können wir mit unserem Wissen möglicherweise größeres Bewirken."

Riano trat wieder neben sie und analysierte den Kreuzer: "Ein K-3 mit verbesserten Waffensystemen, die Besatzung beträgt mindesten 175 Mann um das Schiff zu fliegen. In der Analyse der Situation halte ich unsere Überlebenschancen für gering, gegen diese Menge an Gegnern."

Ming erklärte: "Wenn sie uns vernichten wollten, hätten sie das schon getan."

Syfor flog in die erste Schleusekammer, die Raumschleuse schloss sich, die Atmosphäre wurde eingeströmt. Die zweite Schleuse öffnete sich. Syfor flog hinein und landete zwischen aufgereihten kleineren Raumschiffen auf Magnetschienen. "Wir sind gelandet!", dröhnte Syfor.

"Ich öffne jetzt die Luke", meldete Hikari. Langsam fuhr die Luke runter und eröffnete dahinter die Sicht auf ein Dutzend mit Plasmapistolen bewaffneten Piraten, die sie erwarteten. Einer erschrak über die Abzeichen an Rianos Uniform und drückt ab.

"Halt!", schrie Hikari und stieß sich gegen ihn, sodass sie beide gegen den Boden prallten. Riano hörte in seinem Ohr noch dumpf das Plasma zischen und blickte an Hikaris Schulter vorbei in die Frontscheibe, auf die kleine rote Tröpfchen zutrieben, und hauchte geschockt: "Hikari!" Er fasste vorsichtig auf ihren Rücken und fühlte ihr Blut an seinen Händen. Eine Faustgroße blutende Mulde klaffte dort an ihrem Rücken. Sie keuchte mit zusammengebissen Zähnen lächelnd: "Ich war wohl nicht... schnell genug."

Er wollte sich losstoßen und den Angreifer zurückschlagen, aber Hikari drückte sich mit all ihrer verbleibenden Kraft an ihn und japste: "Nicht! Keine weitere Gewalt, keine Toten! " Riano starrte sie verständnislos und verzweifelt an und murmelte: "Hikari..." Mehr fiel ihm nicht ein. Er hatte sich noch nie so hilflos und so beklommen gefühlt. Sie durfte nicht in seinen Armen sterben, das würde ihn um den Verstand bringen. Die Angst und die Hilflosigkeit durchdrangen ihn schmerzhaft wie ein Messer.

Ming war aufgesprungen: "Nicht schießen! Wir sind friedlich!" und sie riss die Arme hoch. John stupste Hikari ängstlich piepend an. Hikari blinzelte müde zu Riano: "Versuch nicht zu sterben!" und wurde bewusstlos.

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