Humanation

10. Kapitel: Das Blaue Band

Vorsichtig langsam drückte Loflain die schwere Vorlesungstür für einen Spalt weit auf und schlüpfte hinein. Es war die Spätvorlesung in dem letzten universitären Zeitfenster für Vorlesung zur Morgendämmerung. Loflain war spät dran, da sie Longfeng noch ein Stückchen zurück mitbegleitet hatte, aber die Vertretung die diese Vorlesung letzte Woche gehalten hatte, hatte ihre Motivation pünktlich zu erscheinen stark gesenkt.

Die Reihen waren nur mit einem dumpfen, orangenen Licht beleuchtet, das gerade noch das Mitschreiben auf einem nicht beleuchteten Medium erlaubte, während unten im Saal der Holoprojektor gerade eine riesige 3D Animation eines Labos mit seiner rosigen Haut und den sechs Gliedmaßen in die Luft warf. Die Animation war bewegt, sodass die kiemenartigen Luftstreifen entlang der Seite des Brustkorbs also zwischen dem obersten und mittleren Gliedmaßenpaar sich sanft atmend wellten. Er hockte erst auch allen sechs vierfingrigen Gliedmaßen, wobei die mittleren mit dem Mittelgelenk nach außen zeigten, richtete sich dann zuerst mit den ersten beiden auf, die dann in die Luft griffen und dann schließlich bis auf die hintersten zwei, wobei sein höchst dynamischer Rücken eine menschliche S-Form statt der L-Form wie zuvor annahm. Seine vier Augen zwinkerten und die vier Nasenflügel zuckten bei leicht geöffnetem Mund. "Heute beschäftigen wir uns vorallem mit der Biosphäre dieser Art...", drang verstärkt die Stimme der vortragenden Professorin durch den Saal. Loflains Herz schlug höher, als sie sie vernahm. Ming Guang! Endlich war Professorin Ming Guang zurück. Loflain schlich hastig in Vorfreude hinab in die vierte Reihe von hinten und setzte sich neben Barnette, die gelangweilt Fotos von ihrem letzten Essen mit ihrem Biotechprofessor hin und herschob auf ihrem Projektionsboard. Als sie Loflain bemerkte, schenkte sie ihr einen bösen Blick und erklärte vorwurfsvoll raunend: "Du bist zu spät."

Es war ungewöhnlich zu spät zu kommen und ganz besonders für Loflain. Offensichtlich entwickelte Loflain sich zu einer immer bedenklicheren Studentin, überlegte Barnett. Sie musste dem entgegenwirken. Ob das alles an diesem langweiligen Greis Yonatan lag? Sie sollte ein Auge auf Loflain werfen in der nächsten Zeit, sonst verbaute sie sich mit ihren Träumereien noch die eigene Zukunft.

Loflain starrte inzwischen begeistert hinab auf die Präsentation von Ming Guang. Ein 3D Modell des Planeten Labro erschien mit der Entfernung vom Stern, der Albedo, der Gravitation, dem Radius, der Achsenneigung daneben geschrieben und rotierte über ihren Köpfen.

Ming Guang erklärte: "Der Planet Labro hat durchschnittlich eine Temperatur von -10°C und eine Anziehungskraft von 1,2g. Die Atmosphäre enthält 18% Sauerstoff. Die Oberfläche ist aufgrund der niedrigen Temperaturen ein gefrorener Ozean, der von Vulkanseen und Bergen aufgebrochen wird. Diese Vulkane sind stark schwefelhaltig und vergiften die See für menschliches Leben. Unter 27% der Eisoberfläche liegt Festland. Das Eis hat an den dicksten Stellen eine Dicke von 3km, darunter liegt ein flüssiger Ozean, der in den unteren Regionen von Erdwärme warm gehalten wird und von aktiven thermalen Schloten durchzogen wird..."

Die Animation fuhr langsam von der Oberfläche durch die Eisschicht in den flüssigen Ozean hinab zu den thermalen Schloten und stoppte. "...Und hier haben wir die Geburtsstätte des Lebens auf Labro." Die Lichtprojektion zoomte tiefer, bis Einzeller zu sehen waren und neben ihnen ihre Stoffkreisläufe. "Wie sie sehen, handelt es sich auch bei diesem Leben um ein Kohlenstoff basiertes Leben..." Loflain war voll und ganz in die Holoprojektion versunken, so als sei sie tatsächlich in den dunklen Ozean abgetaucht.

Die letzte Vorlesung über die Schwachpunkte der Furiaphysiologie war wirklich fürchterlich gewesen, vorallem wenn man auch nur die geringste Vorstellungskraft besaß, und hatte wirklich nicht verdient in einer Soziobio- und Evolutionsvorlesung gelehrt zu werden. Endlich war Ming Guang und mit ihr ein wissenschaftlicher Geist zurück in der Vorlesung.

Barnett neben ihr wünschte sich mit einem lautlosen Gähnen jedoch genau diesen Vorlesungsstoff zurück. Was kümmerte sie Labro, war es doch für die Menschen bis auf einige Station unbewohnbar. Furiaphysiologie war immerhin genau ihre Forschung gewesen. Immerhin musste das Hauptaugenmerk auf dem Weiterbestand der menschlichen Zivilisation liegen in der Forschung und sich nicht grundlos mit Randnotizen der Evolution und Orchideenforschung aufhalten. Sie widmete sich wieder ihren Nachrichten.

Ming Guang war inzwischen von der Entstehung erster thermophiler Einzeller zu den, wie sie genannt wurden, Vulkanpflanzen gelangt. Die pilzartigen und flechtenartigen schwefelgelben Wesen, die auch in vielen unterschiedlichen Formen in der Projektion leuchteten, waren die Sauerstoffproduzenten von Labro und wandelten durch Erdwärme mit der sogenannten Thermosynthese CO2 in einer Reaktion in ihren Zucker und Sauerstoff um. Diese Vulkanpflanzen hatten sich auch auf dem Festlandsteil unter dem Eis empor gebildet und damit den Lebensraum für die Labos geschaffen.

Außerdem waren im Wasser auch die ersten Tiere entstanden, die bald auch die Höhlen über dem Ozean erklimmen sollten und dann zu Labos evolutionieren sollten.

Ming beendete für heute die Vorlesung bei der Evolution von Landtieren, die die Gänge und Höhlen über dem Ozean lebten. Loflain packte hastig zusammen und lief hinab zu Ming Guang. Ming die dabei war ihren Laphopro wieder abzukoppeln und einzupacken, blickte auf und lächelte. Loflain war keine von diesen langweiligen Strebern, die immer noch mal Extrapunkte wollten und deshalb dem Professor hinterherliefen. Loflain war neugierig, wissensdurstig und offen für Hypothesen und Diskussion und darum genoss Ming Guang es, wenn unter allen Studenten sie noch eine Frage hatte.

Loflain durch Mings Lächeln ermutigt fasste sich ein Herz und begann zaghaft: "Entschuldigen sie." Natürlich entschuldigte Ming und wies sie mit einer einladenden Handbewegung näher um das Pult herum zu kommen. Loflain kam zögerlich herum und erklärte sich: "Naja ich habe mir die Frage gestellt: Wenn das Landleben und in Höhlen und Gängen existiert, und sich dort hoch evolutioniert Wesen wie Labos entwickeln, dann muss das doch eine gewisse Fläche besitzen. Wie groß ist dieser Lebensraum?"

Ming erklärte: "Das schmerzende Eis von oben und vulkanische Erosionen haben ein enges Geflecht von Höhlen in den Fels gewetzt. Außerdem muss man sich die Struktur als dreidimensionalen Lebensraum vorstellen. Dadurch ist der Lebensraum nicht viel kleiner als der von den Menschen nutzbare Lebensraum auf Ying." und öffnete eine Grafik des groben Gängesystems, das sich bis tief in die Kruste von Labor zog, mit dem Laphopro. Ming lächelte. Es hatte doch seine guten Seiten zurück zu sein.

Loflain lächelte verlegen, während Ming ihren Hopro endgültig einpackte: "War ihre... deine Forschungsreise erfolgreich?"

Ming lächelte vielsagend: "Sagen wir aufschlussreich, aber ich muss noch eine weitere Studienreise unternehmen."

Sie blickte sich nach ungewollten Lauschern um und holte ein, zwei lose Skizzen aus Hikaris Buch hervor von wieselähnlichen Echsen und einem fledergeflügelten Amphib. Loflain betrachtete sie staunend: "Die sind wunderschön! Wo leben sie?"

Ming lächelte geheimnisvoll: "Jedenfalls nicht hier." Sie verstaute die Skizzen wieder vorsichtig in ihrem Buch und erklärte: "Ihren Ursprung habe ich nicht endgültig klären können und darum muss ich meine Forschung auch fortsetzen."


Seit etwa einer halben Stunde betrachtete Yonatan Hikari, wie sie leer ins Feuer starrte, während draußen die Sonne aufging. Ihr Gesicht verzog sich hin und wieder. Er trank noch einen Schluck Tee. Er war vor einer Weile zurückgekommen, doch Hikari hatte ihn nicht bemerkt. Er saß darum im Sessel und betrachtete sie. Nun aber räusperte er sich und fragte: "Streitet ihr?"

Hikari schreckte auf:" Professor, wir haben dich gar nicht bemerkt."

Yonatan lächelte: "Soviel habe ich mitbekommen. Worum geht es denn, wenn ich fragen darf?"

Cya antwortete knapp: "Menschen, noch schlimmer Friedenswachen."

Yonatan schob seine Brille zurück: "Das kling für meine Ohren immer noch etwas kryptisch."

Cya holte aus: "Nun wir haben nicht nur Ming getroffen in Moth, sondern auch diesen Soldaten. Er denkt vermutlich, dass wir tot sind. Ich halte das für gut um ehrlich zu sein, aber Karina sieht das nicht so."

Der Professor trank einen Schluck: "Warum sollte er es wissen sollen?"

Cya knurrte: "Das frage ich mich auch."

Mit einem Zucken, zog Hikari die Schultern zusammen und Karina antwortete unsicher: "Meint ihr wirklich, er kann nicht anders denken, als er es gelernt hat? Er hat sich doch um uns gesorgt, er hat doch versucht uns zu beschützen. Ich war doch auch nicht anders gewesen."

Cya widersprach: "Du bist anders! Aber er ist nur ein Soldat, der Piraten vernichten will."

Yonatan runzelte die Stirn: "Soso, ihr wisst also nicht, ob ihr ihm vertrauen könnt. Aber mit Verlaub eure Argumentationen sind nicht gerade vorurteilsfrei. Es ist natürlich gefährlich mit Friedenswachen zu reden, aber ich habe mein ganzes Leben nur mit Menschen geredet, die potenziell gefährlich für mich sind und dennoch viele gute Freunde finden können. Ich kenne ihn nicht. Ich weiß nicht, ob er eine Chance verdient, aber einen Versuch ist es meistens wert."

Cya seufzte: "Aber Professor. Wenn ich vor ihm auftauche, ist die Chance doch schon ziemlich hoch, dass er uns erschießt, wenn er uns nur sieht, falls er eine gute Friedenswache ist."

Yonatan nickte. Karina überlegte: "Wir müssen ihn ja nicht wirklich sehen. Es reicht doch, wenn wir ihm eine Nachricht geben."

Cya holte tief Luft: "Nagut, eine Chance."


Die grelle Vormittagssonne flutete zwischen den Wolkenkratzer hinab auf die große offene Kreuzung zwischen dem Stadtplanungsministerium dem Bürogebäude der YiYa Baufirma, der Anpin Börse und einem Einkaufs- und Restaurantkomplex, um desen gerundete gewellte Oberseite mit blauer greller Neoschrift die Werbung für die Waren entlanglief. Ein wenig dezenter liefen an den abgerundeten Ecken des zur Spitze zunehmend oval zulaufenden Börsenturms aus kristallklarem, blitzendem Glas ununterbrochen in roten oder grünen Zeichen die neusten Kurse hinab wie ein blinkernder, reißender Wasserfall. Diese Illusion hatte das YiYa-Gebäude nicht nötig, denn an den hohen schwarzen Säulen, die das äußere des Gebäudes trugen, strömte tatsächlich Wasser hinab, aber nicht einfach so, sondern in wohlgetackteten Tropfen, die in sich wiederholenden Abständen die Buchstaben "YiYa" und das Firmenemblem, ein Laubbaum in einem Kreis, ausließen. Aus dem klotzigen, kantigen, massiven Marmorblock des Stadtplanungsministeriums kam durch die stählerne automatische Drehtür ein Mann mit mühsam glatt gestrichenen rotbrauen Haaren, die beim ersten Anzeichen einer Windböe schon wieder in Unordnung geraten waren, Riano.

Der frische Wind zwang ihn aber mehr auf das Schließen seines hellgrauen Mantels zu achten als auf seine Frisur. Der Platz vor ihm war kaum gefüllt, da für die gewöhnlichen hier arbeitenden Angestellten ihre Schicht schon vor Stunden geendet haben sollte. Nur einige Überstunden überarbeitete und Halbzeitangestellten schleppten sich in Richtung einer der zwei breiten Treppen, die zu der vor zwei Jahren erst neueröffneten Vakuummagnetmetro oder kurz "Vakumame", wie sie gekürzt genannt wurde, führten. Ansonsten waren auf dem Platz einige spät einkaufende und eine Gruppe Geschäftsmänner, die zu einem ihrem Geschäftsessen unterwegs waren und natürlich die kaum zu beachtende Ordnungseskorte in den türkisen Overalls, die die dunkelgrauen Bodenplatten von den einfach wuchernden Unkraut befreite und mit Druckreinigern bearbeitet, Verpackungsfitzelchen aus dem ovalen Becken der Wasserfontäne in der Mitte der Kreuzung fischte und die Mülleimer leerte und reinigte.

Riano steuerte ebenfalls die Treppe zu der Station an, die durch ein typisch blau leuchtendes V, das durch Dioden, die eine maserierte Glasplatte beleuchteten, zu schweben schien. Gerade war die Zentrum-Kreis-Bahn aus Sektor 3 gekommen und die Menge junger Angestellter und Studenten, die noch einen Nebenjob brauchten um sich zu finanzieren, strömte die Treppen hinauf um die zweite Hälfte der Mittschicht zu übernehmen. Riano verlangsamte seine Schritte aufgrund der entgegenströmenden Menschen. Er war noch etwa 10 m von der Treppe entfernt. Mit einem Mal erstarrte er. Die Geräusche drangen nur noch gedämpft zu ihm, seinen Blick starr geheftet auf ein Gesicht in der Menge, ein junges blondes Mädchen, das durch ihn hindurchschaute wie die ganze Menge der Ankommenden. Die Zeit schien sich zum Zerreißen zu dehnen. Seine Knie wurden weich, er strauchte fing sich, aber ohne den Blick von dem Gesicht zu lassen, das halb von blonden Haaren verhängt wurde. Das war unmöglich. Er musste sich irren. Er musste fantasieren. Er sah Hikari. Unmöglich! Seine Augen mussten ihm einen Streich spielen, kreiste es durch seinen Kopf, während er sie anstarrte, ohne dass sie ihn auch nur zu bemerken schien, geschweige den zu erkennen, obwohl sie direkt in seine Richtung steuerte. Er blinzelte und versuchte seine Augen neu zu fixieren mit dem gleichen Ergebnis. Hikari!

Das Blut rauschte in seinem verwirrten Kopf, während die Massen von Menschen ihn umschloss und vorbei strömte und mit ihr dieses Gesicht und dieses Mädchen im weißen Mantel auf ihn zu. Rianos Atem stockte. Sie war vielleicht noch 3 Schritte von ihm entfernt und blickte durch ihn hindurch, als sei er garnicht da. Was sollte er tun? Das konnte nicht wahr sein, aber er musste die Chance ergreifen wenigstens um zu verstehen was mit ihm los war, rasten seine Gedanken an ihm vorüber und das Mädchen kam näher, wand sich knapp um an ihm vorbei. Ihre Schultern streiften sich kurz, dann war sie an ihm vorbei. Die Berührung riss Riano aus seiner Starre. Er fuhr herum und fragte: "Hikari?" Doch sein Wort verhallte ungehört. In der Menge hinter ihm war weder ein blondes Mädchen noch ein weißer Mantel zu sehen und die grauen, braunen Mäntel strebten ungerührt von ihm weg. Er fasste sich an seine Schulter, er hatte sie doch sogar gefühlt.

Er schüttelte seinen Kopf um die Gedanken raus zu kriegen und stieg die breite spiegelnd weiße Treppe zur Station hinab. Die letzten Nachzügler kamen ihm entgegen die Treppe hinauf. An der spiegelnd weißen Steinwand, aus der kristallene Strukturen im grellen Neolicht funkelten, hingen Modenwerbeplakate und Plasmaleimwände mit den dazugehörigen Filmen in ordentlicher Reihe. Riano achtete nicht darauf. Er konnte seine Gedanken nicht so einfach abschütteln. Die großen kugelrunden weißen Deckenleuchten die im Abstand von drei Metern hingen warfen drei klare Schatten von ihm auf den steril weißen Grund und er erschrak kurz, weil er meinte, dass nicht alle seine Schatten seien. Er schob die Augenbrauen zusammen und konnte die Gedanken nicht aufhalten. Sie war da, in seinem Kopf. Er wollte auch nicht, dass sie ging, aber das war zu viel. Er sah Halluzinationen. Das Gefühl, das ihr Leid ihm neuronal schädigen würde, war wohl nur zu richtig gewesen. Aber wie konnte das sein, er fühlte, dass sie für ihn wichtig war, aber wo war die Verbindung? Warum musste er so an sie denken? Vielleicht war es ja ihre Worte gewesen, die sein Gehirn noch nicht ganz verarbeitet hatte und versuchte ihre Erkenntnis richtig zu begreifen, aber das war irgendwie nicht alles. Sie hatte ihn aufgewühlt zurück gelassen. Sie war schließlich auch eine vollkommen konträre Person gewesen und ihr Leben hatte nichts gemeinsam, außer vielleicht den Weltraum. Vielleicht, er wusste es ja nicht einmal.

Er kam in die Halle des Eingangsbereichs, an dem eine breite Front an Gates in das Innere der Station einige weitere Treppen hinab zu den unterschiedlichen Gleisen führte. In der Mitte der Halle hing eine runde untertassenartige Lampenschale, die aus feinstrukturierten Kristallfasetten glitzernd hinabschien. Die schwarzen Tore mit den Schranken hoben sich deutlich gegen das Weiß des Raumes ab, aber machten diese Umgebung nicht natürlicher. Die riesige blaulichen Werbeprojektionen, die an der Hinterwand entlanglief und die Mode präsentierte, war inzwischen die einzigen Menschen, die hier zu sehen waren. Zur Linke führte eine Treppe hinab in das Autolevel unter der Stadt zu einem Taxistand. Riano blickte von Gedanken umschleiert durch den Raum hindurch und steuerte instinktiv durch die Tore hindurch, zog entsprechend ein Eintrittsticket, das beim Verlassen an einer anderen Haltestelle zusammen mit der Kontokarte in das Gate geschoben wurde, sodass automatische der entsprechende Betrag abgebucht wurde. Ebenso instinktiv steckte er das Ticket in die rechte Tasche seines Mantels und wurde aus seinen Gedankenwolken gerissen. Er runzelte verwirrt die Stirn. Da war etwas in seiner Tasche. Er tastet. Eine Art Lederband oder ähnliches. Flexibel aber nicht weich und etwa einen Daumen breit. Er konnte sich nicht erklären, was das sein sollte. Während seine Füße ihn rückfragelos zu dem richtigen Gleis trugen, zog er das etwas aus seiner Tasche. Er hob eine Augenbraue, ohne dass die Falten auf seiner Stirn verschwanden. In seiner Hand lag ein tiefblaues mit vollen Blüten graviertes Vinylkunstlederarmband, das mit Druckknöpfen an beiden Seiten verschließbar gewesen wäre und das Riano noch niemals in seinem Leben gesehen hatte. Aber irgendwo in der Mitte des Bandes zwischen Ober- und Unterseite in einem Schlitz eingeklemmt lukte die Ecke eines Papierzettels heraus.

Riano hatte das Gleis erreicht und lehnte sich an die Außenwand der evakuierten Glasröhre in der, der Zug fuhr. Die Decke war nicht besonders hoch, vielleicht 3 Meter, sodass die Röhren oben und unten von der Station eingeschlossen waren. Einige andere Leute warteten noch auf den aus durchsichtigem Plastik geformten Bänken mit beleuchteten Armlehnen, in die genau genommen auch Energieinduktionsports führte um technische Geräte an diesem Punkt aufzuladen und mit kostenloser Energie zu betreiben, ein Servis der Vakumame-gesellschaft. Das was Riano gerade in den Händen hielt, war im allerdings zu heikel um es neben irgendeiner fremden Person zu lesen. Aus dem Augenwinkel erfasste er kurz alle Überwachungskameras um keiner Einblick in diesen Zettel zu gewähren. Während er das Band vorerst sicherheitshalber mit der Linken in der Tasche verstaute. Er fühlte langsam den Schlitz entlang in seiner Tasche und bemerkte, dass er das ganze Band entlang lief. Er drückte es vorsichtig auseinander und bemerkte, dass das mit Leichtigkeit möglich war. Er klappte das Band also in seiner Tasche auf. Vorsichtig tastete er die Struktur des inneren ab. Es fühlte sich plastikartig an und ein klein wenig nachgiebig. Auf dem oberen Teil war es ein einziges folienartiges Band. Auf der Unterseite war es in halbfingerbreite leicht gelweiche Kissen aufgeteilt. Riano ließ es vorerst bei dieser Beobachtung, zog seine Hand wieder aus seiner Tasche und fasste mit der zweiten Hand auch den Zettel, den er in der Zwischenzeit gelesen hatte. "Hallo Riano. Du brachst dir keine Sorgen mehr zu machen. Wenn du Hilfe brauchst, ruf mich. Pass auf dich auf. Hikari" Zwei Smileys, die Hände hielten, folgten den handschriftlichen Buchstaben. Riano faltete mit zitternden Händen den Zettel wieder zu. Er musste sich beherrschen, er musste sich beherrschen. Doch sein Herz hatte schon, als er beim Aufschlagen das Wort "Hikari" gelesen hatte zu rasen angefangen. Er formte beide Hände zur Faust um sie besser kontrollieren zu können und versteckte sie in einem Mantel. Sie lebte, sie lebte und sie war es wirklich gewesen. Er hatte sie gesehen. Es fiel ihm so schwer seinem Glück kein Gesicht zu geben und das rasende Blut errötete seine Wangen und seine Stirn und er konnte sich kaum gegen die steigende Feuchtigkeit in seinen Augen wehren und blinzelte verzweifelt. Er wollte so gern los jubeln und springen und einfach losrennen um sie wieder zu finden. Sie war da, irgendwo da draußen, und sie dachte an ihn, so sehr dass sie ihn gesucht hatte. Er war so glücklich, etwas Besseres hätte ihm nicht passieren können und genau das fühlt er jetzt, dass es wirklich bedeutend war, dass ihm das passiert war. Der ovale Zug fuhr ein und wurde von den Elektromagneten, die an der Seite in der Glasröhre hingen, abgebremst. Die Türen stoppten genau vor den Toren in der Glaswand. Eine zirmonikaartig Gummidichtung an den Toren innen saugte sich an die Außenwand der ovalen Bahn und die Tore öffneten sich. Eine Horde Zuspätkommer stürmte hastig aus dem Zug und stürzte die Treppen hinauf und ließ den Zug fast leer zurück. Riano stieg in die Metro und setzte sich auf die leere tiefblau samtgepolsterte Bank zwischen der Tür, durch die er gekommen war, und der nächsten. Eine halbdurchsichtige Holoprojektion in den Fensterscheiben pries gerade mit Glitzereffekten einen Energiedrink an. Riano zog seine Kapuze auf und senkte sein Kopf und so wie die drei, vier nächstsitzenden Passagiere, die vor sich hindösten. Die Türen schlossen sich. Rianos Lippen zitterten ungesehen zu einem Lächeln gedrängt. Der Zug beschleunigte. Ein Tropfen fiel auf Rianos Bein.

Er würde sie wieder sehen, egal wie. Es gab eine Verbindung zwischen ihm und Hikari und die war unzertrennlich. Das fühlte er einfach ganz deutlich, ob er es verstehen konnte oder nicht.


Als Taina in das Konferenzzimmer trat, strömte ihr ein köstlicher Duft entgegen. Leon und Riano standen an der Kockplatte und kochten eine dampfende, duftende rosane Cremesuppe. Raylee deckte gerade den Tisch und sprach, währenddessen mit P5641028, der mit seinem Holoprojektor nach Artikeln über die Botanik von dem Gammasystem suchte. Taina stockte verwirrt und etwas aufgebracht: "Was soll das? Ich dachte wir halten Konferenz."

P5641028 entgegnete ohne den Blick von seinem Artikel zu heben: "Arbeit frisst Energie, also muss erst einmal Energie zugeführt werden."

Taina hob skeptisch eine Augenbraue und setzte sich. Wie sollte sie jemals mit diesen Leuten arbeiten, sie wirkten alle so unprofessionell. Raylee stellte eine Schale mit Spiralbohnen und gekochten Knollen in die Mitte des Tisch. Es war schön so zusammen zu arbeiten und zu leben. Riano versuchte alle Hierachie und Distanz zwischen innen ab zubauen, sodass sie wirklich ein Team sein konnten und Raylee war ihm dafür unendlich dankbar. Sie hatte sich in ihrem ganzen Leben noch an keinem Ort so wohl gefühlt. Leon brachte den Suppentopf herüber und nickte Raylee dankend zu. Auch er merkte, dass hier das Potential war ein gut, zusammenarbeitendes Team zu bilden, auf dass er sich verlassen konnte und er war sehr froh darüber, hatte er doch in seinem Leben schon anderes erlebt und sich selbst immer bemüht seiner Einheit diese Erfahrung zu ersparren.

Riano schien in seinen Augen tatsächlich ein fähiger Kaptain zu sein. Riano kam als Letztes zum Tisch um die Konferenz und das Essen zu beginnen. Er bat mit einer Handbewegung doch mit dem Essen zu beginnen, während er mit dem Holoprojektor Information zu ihrer Mission erschienen ließ und erklärte. Ziel ihrer Mission war es eine Widerstandszelle zu infiltrieren um genauere Information zu erhalten, als ermittelt wurden, wenn sie einfach zerschlagen wurden. Bis jetzt war es noch nie gelungen in die tieferen Strukturen richtig einzudringen und die Metastruktur zu den kleinen Zellen aufzuspüren. Hin und wieder tauchten einzelne Namen oder Bezeichnungen von Terroristen auf. Aber niemals ergab sich ein brauchbares Struktugram aus den Daten. Die meisten Infiltrationsversuche waren mit Kompromittierung der Spione gescheitert und die Mitglieder der Zelle entweder verschwunden oder bei der Aufräumaktion des inneren Friedens daraufhin getötet worden. Geschätzt jedenfalls gab es allein in Anpin 300-800 Zellen. Denn das wussten die Behörden: Der wachsende Widerstand wurde ein zunehmendes Problem. Auch wenn die Gesamtgesellschaft sich immer mehr den Heimatwelten anglich, erstarkte der extreme Rand nur weiter. Die Extremisten blieben noch ruhig und unsichtbar bis auf Schmierereien und Hetzschriften einzelner, wie es öffentlich eingestuft wurde. Aber gerade das verstärkte den Verdacht, dass es auf etwas Größeres hinauslief.

Alles, was bekannt war über die Zellen, war, dass das sie in jeder Schicht der Gesellschaft anzutreffen war, sich teilweise gesellschaftsübergreifend sammelte, jeder eine große Loyalität zur Gemeinschaft hatte und sich gegenseitig stärkte und die Führungsstrukturen nicht zu durchdringen waren und unverständlich. Manche Spione hatten berichtet, dass die Führung ununterbrochen durch einen offensichtlich unbekannten höher stehenden Zirkel gewechselt wurde, oder die Führung nicht direkt sprach, sonder an Mitglieder indirekt delegierte, damit die Führung nicht erkannt und geschützt wurde. Ein Spion hatte nach verzweifelter Analyse schließlich patzig auf die Führungsfrage geantwortet: "Das sind Arbeiter, die können sich keine Führung leisten." Insgesamt verstanden die militärisch ausgebildeten Spione oft selbst nach Monaten kaum, was um sie vorging, wenn sie aus heiterem Himmel ohne Anordnung ein wie es ihnen immer erschienen war niedriges Mitglied vor der Tür stand und sie um Unterstützung bei einer offensichtlich doch schon wohlgeplanten Plakatieraktion ersuchte.

Darum war es ihre Mission vom Ministerium für inneren Frieden mit Taina eine Zelle zu infiltrieren. Raylee und P sollten technische Ausrüstung bereitstellen. Leon für Tainas Sicherheit sorgen und einen Zugriffsplan bereithalten und Riano die ganze Aktion koordinieren und Taina weiteres Hintergrindwissen zum Feind geben. Kaum hatte Riano die Operation erklärt, räusperte sich Taina, die abgelehnt hatte irgendetwas zu essen, und erklärte, nachdem Riano ihr zugenickt hatte: "Okay, um diese Mission durchführen zu können, brauche ich Zubehör. Leutnant Raylee besorgt mir eine Mikrowanze zur genauen Positionsbestimmung, außerdem brauche ich natürlich ein robuste Tonaufzeichnungswanze möglichst unauffällig getarnt. Ich denke an eine Haarspange. Ansonsten benötige ich eine Betäubungswaffe und natürlich Bildaufzeichnung, aber bitte nicht in billiger Qualität. Leutnant P5641024 du solltest schon mal anfangen eine funktionierende, absturzsichere Vernetzungssoftware solcher Wanzen zu schreiben, die alten sich schon längst überholt. Auftrag klar?"

P und Raylee stockten einen Moment sich gegenseitig anschauend und nickten. Leon seufzte unhörlich. So einfach würde das mit dem neuen Team wohl nicht werden. Riano beobachtete die Reaktionen der Runde und auf einmal verstand er, warum Humanation keine Erfolge hatte beim Aufspüren des Widerstands. Die Agenten wurden erstes auch durch das Essen sabotiert und zweitens kannten sie nur militärische Methodik. Wenn alle Agenten auch nur ein bisschen so wie Taina waren, die ja zu den erfolgreicheren gehörte, dann fehlte ihnen sämtliche Empathie. So würde das nichts werden. Riano kam eine bessere Idee: "Nun ich denke um den Erfolg zu garantieren, sollten wir nicht nur einen Spion verwenden, sondern zwei, die sich gegenseitig zuspielen. Ich schlage vor Raylee als Arbeiterin einzuschleusen, denn sie hat tatsächlich Kompetenzen eines Mechanikers. Taina sollte in die Verwaltung gehen um so von außen mehr Information gewinnen zu können. Die technische Hilfe kriegst du alleine hin P5641028, oder?"

P im Gedanken an einige Prototypen, die er schon lange mal testen wollte, nickte heftig. Raylee sah Riano überfordert an: "Aber Kaptain, ich habe keine Agentenausbildung."

Riano lächelte ihr schmal zu: "Du hast aber eine Ingenieursausbildung. Wen erwartet der Widerstand? Jemand der schon alles über sie weiß, aber nichts von ihrer Lebenswirklichkeit oder jemand der ein Leben wie sie führt und selbst keine Ahnung hat, dass es so einen Untergrund gibt und es langsam lernt."

Tainas blickte Riano durchdringend an, aber ihr war es recht nicht den ganzen Tag hart schuften zu müssen und so sagte sie nichts. Leon fuhr fort sie über die notwendigen Vorbereitungen zu unterrichten und zu erklären mit wem sie zusammenarbeiten könnten.


Yonatan saß an seinem Holzschreibtisch und schrieb an dem Skript für die nächste Vorlesung. Alles war still, in der Mittagsruhe verstummt. Er trank einen Schluck Tee und starrte nachdenklich in den Himmel. Ying stand nur noch als dünne Sichel am blauen Himmel. Wie konnte er neutral genug die Studenten über die "furianische Plage" aufklären. Das war nicht mal ein Jahrzehnt her, doch aus Sicht Humanations schon glorifiziert als Aufbegehren der friedlichen Siedler, die sich ihre Würde nicht nehmen ließen, gegen die aggressiven Angreifer. In Humanation war der Vorfall die Verteidigung der Menschlichkeit und eine heldenhafte Befreiung. Yonatan teilte diese Einschätzung nicht im Geringsten. Jemand kam durch die Tür herein. Yonatan setzt dies ungeachtet an zu schreiben, brach dann doch wieder ab und grüßte: "Willkommen zurück!" ohne einen Blick von seinem Manuskript zu heben.

Hikari antwortete: "Danke!" Sie schloss sie Wohnzimmertür hinter sich. Sie setzt sich vor den Kamin. Yonatan gab auf sein Skript zu schreiben, hüllte sich in eine Lilien durchwebte Decke und schlappte mit seinem Tee zum Sofa und blickte in den Kamin. In den Hikari ein Feuer entfachte. Hikari setzt sich neben ihn.

"Hattest du Erfolg?" fragte Yonatan.

Hikari lächelte schief: "Kommt ganz drauf an, wie man Erfolg definiert."

Yonatan nippt an seiner Tasse: "Ihr seit euch immer noch uneins darüber?"

Hikari nickte und, weil Cya und Karina gerade beide nicht in der Laune waren ihre Uneinigkeit aufzuarbeiten, wechselten sie das Thema: "Es ist ziemlich mutig sich so öffentlich zu zeigen nach allem. Immerhin bist du schon geflohen."

Yonatan lächelte:" Eben, genau das wird niemand erwarten und so kann ich langsam viel aufmerksamer machen."

Cya nickte anerkennend: "Scheint eine gute Strategie zu sein, hoffentlich versteht Ming auch bald mehr. Ich habe den Plan sie mit nach Fabulous zu nehmen. Immerhin interessiert mich die Evolution auf Goon jetzt auch. Ich weiß nur noch nicht, ob sie verkraften wird, was sie erfahren wird."

Yonatan lächelte: "Ich denke sie verkraftet jede Wahrheit, nur keine Lügen."

Hikari nickte, sie zuckte kurz und Karina fügte an: "Ich hoffe nur, dass ich sie nicht zu sehr in Schwierigkeiten bringe. Sie ist weder Cyclan noch Widerstand, sondern einfach nur Forscherin."

Yonatan lachte: "Sie hat längst die engen Grenzen des Geistes überschritten, die sie zu einer guten Forscherin für Humanation machen würden." Yonatan trank seine Tasse leer und wünschte eine gute Mittagsruhe.

Hikari streckte sich auf dem Sofa aus, aber sie kamen so schnell nicht zur Ruhe. Sie wanden sich hin und her von dem Gedanken getrieben, dass Riano von ihnen wusste. Hoffnung und Angst durchmischten Karinas Gefühle, sie träumt davon ihn zu verstehen, doch endete in der Furcht, dass er sie verraten würde, weil er es musste als Friedenswachen. Aber Yonatan hatte Recht. Er hatte eine Chance verdient. Das gab selbst Cya zu.


Riano betrat sein Zimmer und schloss sie Tür. Er griff in die linke Tasche seine Mantels, der auf einem Stuhl lag, und ließ sich auf sein Bett fallen. Er hielt Hikaris Band in der Hand und presste es lächelnd an seine Brust. Er klappte es auf, um es endgültig zu begutachten. In der Innenseite war eine einfarbige Displayzeile auf der oberen Hälfe, in die vielleicht etwa 50 Zeichen passten, darunter waren in einer Zeile kleine Tasten mit Buchstaben und Leerzeichen. Er tippte vorsichtig gegen die winzige Taste "A", dann auf "B" und "C" aber auf dem Display erschien nichts. Verwirrt wiederholte er es. Wieder nichts er wendete das Band um zu sehen, ob er etwas übersehen hatte, fand aber nichts. Er blickte wieder auf das Display und stutzte. Dort stand nun: "DEF"

Er setzte fort: "GHI". Er wartete eine Weile und es erschien Buchstabe für Buchstabe "JKL" kurz darauf verschwanden die Buchstaben und wichen neuen: "HALLO RIANO" Riano setzte sich breit grinsend auf und tippte zurück: "HALLO UND DANKE."

Sein Herz klopfte wie unter Strom. Das musste Hikari sein, Hikari schreib ihm, sie war da. Er musste kaum auf Antwort warten.

"BITTE. DU HAST ES ALSO VERSTANDEN. SCHÖN VON DIR ZU HÖREN."

"ICH BIN SO FROH, DASS DU LEBST. WO BIST DU?"

"KANN ICH NICHT SAGEN."

Sie musste in der Nähe sein, wenn sie so schnell antworten konnte. Vermutlich klinkte das Band sich in Netze anderer Geräte ein um das Signal zu versenden, da es nicht sehr leistungsstark aussah. Riano hockte sich in den Sessel, die Beine angezogen und legte lächelnd den Kopf auf die Beine, während er zurück tippte. Hikari trieb in ihm die Sehnsucht hoch, die er als Kind gefühlt hatte und längst vergessen glaubte. Es war dieses glühende Gefühl, so wie die Aufregung als er in der Grundschule seine erste Rakete hatte über die Wolken steigen sehen, oder heimlich Nacht auf das Dach des Kinderhauses geklettert war um den Himmel zu beobachten und mit glühenden Wangen und pochendem Herzen in dem Anblick der fernen Sterne versunken war. Genauso aufgeregt pochte nun sein Herz.

"ES IST AUF JEDEN FALL GUT VON DIR ZU HÖREN."

Rianos Stimme klang in Hikaris Kopf, da der Empfang Teil ihrer Cyberphysiologie war. Cya war skeptisch. Auch wenn sie gerne an glauben wollte, dass Riano nett sein konnte, und ihm eine Chance geben wollte, das sie als Cyborg jemals mit einem Oberleutnant der Friedenswachen befreundet sein konnten. Sie war selbst als Cymale ein Feind von Riano und das musste auch er wissen. Aber Karina wollte sich dadurch nicht entmutigen lassen ihm weiter zu schreiben: "EBENSO".

"IST DAS SICHER?"

"EIGENTLICH SCHON. DIE KOMMUNIKATION IST VERSCHLÜSSELT ZWISCHEN DEM BAND UND MIR. ABER DER DATENSTROM AN SICH KÖNNTE GEFUNDEN WERDEN. WIR SOLLTEN ES NICHT ÜBERSTRAPAZIEREN."

"OKAY. ICH MELDE MICH."

Er überlegte. Er wollte noch irgendetwas schreiben, das ihr zeigte, dass sie ihm wichtig war.

"ICH DENKE AN DICH"

Er seufzte für das, was er wirklich empfand, kannte er keine Worte und alles, was ihm einfiel, waren Schimpfwörter.

"ICH DENKE AUCH AN DICH", blinkte auf dem Band in seiner Hand auf. Riano drückte das Band lachend an sein pochendes Herz. Irgendwo war Hikari, sie lebte und sie war zurückgekommen, um mit ihm zu sprechen. Er wusste nicht warum, aber der Gedanke machte ihn glücklich. Es klopfte an der Tür.

Riano klappte das Band zu und schloss es um sein Handgelenk, während er "Herein!" rief. Raylee öffnete die Tür und schlüpfte herein. Raino lächelte und bot ihr seinen Schreibtischsessel. Sie setzte sich unter mehrfacher Entschuldigung, dass es ihr Leid tue so spät zu stören und er ja längst Feierabend hätte. Riano schüttelte den Kopf und fragte: "Was gibt es denn? Du störst wirklich nicht." Raylee setzte an: "Also... zunächst wollte ich meine Rolle noch mal klären. Ich bin nicht zum Agenten qualifiziert. Ich weiß wirklich nicht, ob ich hilfreich sein kann."

Riano ermutigte sie: "Du hast Taina erlebt. Sie ist die Befehlsstrukturen im Frieden mehr gewöhnt als du und sie scheint nichts zu fühlen. Ich glaube nicht das diese Strukturen funktionieren wie die des Friedens. Du hast das menschliche Feingefühl Freund von Feind zu unterschieden auch ohne Struktur. Das qualifiziert dich deutlich besser. Ich vertraue dir und ich weiß, dass ich dir vertrauen kann."

Raylee nickte. Ihre Bedenken schmälerten sich langsam und im Wesentlichen hatte sie eh nach einem Vorwand gesucht mit ihm zu sprechen. Sie kam zu ihrem eigentlichen Punkt:

"Bezüglich dessen, was du über das Essen gesagt hast: Sollte es tatsächlich etwas im Essen geben, sollten wir das rausfinden. Wir sollten herausfinden, was der Wirkstoff ist, ob es ein Gegenmittel gibt, welche Lebensmittel betroffen sind und woher die Manipulation kommt. Diese Verschwörung ist eine reizvolle Erklärung für die Verhaltensdifferenzen zwischen mir und der Umwelt, aber ich kann nicht ausschließen, dass das Wunschdenken ist, um eine objektive Erklärung zu finden, warum ich anders bin, und ich hoffe wir lassen uns nicht beide davon blenden. Aber es ist wert es zu untersuchen. Ich habe hier alles, was ich für so eine Untersuchung brauche. Wir brauchen nur noch Testpersonen."

Riano blickte sie nachdenklich an und antwortete: "Ich bin nicht wie du. Das wirst du sehr schnell sehen, wenn ich betroffene Lebensmittel esse. Ich verliere meine Emotionen. Ich zweifle auch noch an dieser Erklärung. Aber die Konsequenz funktioniert zumindest für mich. Ich könnte zumindest eine Testperson sein, um die entsprechenden Lebensmittel zu finden. Du kannst die medizinischen Untersuchungen der anderen heranziehen um zu sehen, ob sich auch bei ihnen etwas ändert. Du solltest das nur bald tun. Innerhalb von ein bis zwei Tagen scheint man wieder die volle emotionale Fähigkeit zu entwickeln. Du solltest bei Leon und P5641028 eine Änderung sehen."

Raylee blickte ihn skeptisch an: "Ich habe schon häufiger mit P zusammengearbeitet, er ist wirklich keine Person, die man gefühlvoll oder einfühlsam nennen würde. Ich kann mir das nicht wirklich vorstellen."

Riano grinste: "Um so besser, dann ist das für dich eine überzeugende Kontrollgruppe. Ich hoffe sehr, dass sie ihre Gefühle finden."

"Wir sind eigentlich eine zu kleine Gruppe um eine valide Aussage zu ziehen."

Riano nickte: "Das stimmt, aber irgendwo müssen wir anfangen und ich bezweifle stark, dass uns an diesem Punkt irgendjemand ernst nehmen würde nicht mal Leon, Taina und P."

"Und wie sollen wir unterschiedliche Lebensmittel und Substanzen testen, um den Wirkstoff zu finden? Ich meine, du kannst nicht wirklich Leon, Taina oder P, dem aussetzen, wenn du glaubst, dass es Drogen sind."

Riano seufzte lang und tief: "Dann bleib wohl nur ich."

Er wollte seine Gefühle, seine Empathie nicht verlieren, aber das war wichtiger. Raylee blickte ihn wehleidig und unzufrieden an. Sie wollte auch nicht, dass Riano seine Gefühle verlor: "Aber mit wem soll ich dann zusammenarbeiten, wenn du unter Drogen stehst?"

Riano lächelte ein wenig hilflos: "Wir könnten einfach versuchen die Dosis gering zu halten, dann wirkt sie vielleicht nicht so lange."

Raylee war damit noch nicht zufrieden und überlegte angestrengt. Plötzlich fiel ihr eine Randnotiz aus ihrem Nebenfach Bioingeneuring und Biotechnik ein: "Irgendwann hat mein Prof mal erwähnt, das es bei den Furia ein Königinenenzym gibt, das die Königin befähigt zu entscheiden und sich zu vermehren, weil es ihre emotionalen Fähigkeiten insbesondere Empathie und Attraktion stimuliert oder so ähnlich. Ich glaube, es wird immer noch daran geforscht. Vielleicht ist dieser Stoff eine gute Grundsubstanz für ein Gegenmittel. Wenn es als Gegenmittel funktionieren würde, dann müsstest du gar nicht deine Gefühle verlieren, jedenfalls nicht für lange. Ich weiß nur wenig darüber. Aber ich kann mich einlesen."

Ein Gedankenblitz zuckte durch Rianos Kopf: "Ming Guang!" Er erwiderte: "Ich glaube ich weiß jemand, der uns damit helfen kann."


Die Sonne war schon am Untergehen, als die aufdringlich piepende Klingel Ming, die ein notorischer Langschläfer war, aus dem Bett rief. Sie fiel fast heraus, fing sich aber ab, schlüpfte in ihre hellblauen Schlappen und schlürfte zur Tür, während sie versuchte ihre schwarzen Haare, die in alle Richtungen standen, einigermaßen glatt zu streichen. Sie blickte auf das Türspiondisplay und ihre müden Augen weiteten sich ein Stück. "Was? Was macht der den hier?"

Sie öffnete die Tür und grüßte auf den Türknauf gelehnt: "Was führt dich denn her?" und schenkte Riano ein verschlafenes etwas genervtes Lächeln.

Riano seinerseits in Anbetracht ihres verknatschten dunkelblau gepunkteten Schlafanzugs und des leichten Kopfkissen Abdrucks auf ihrer linken Wange war sich im ersten Moment selbst nicht mehr sicher, was so wichtig sein könnte, um sie mitten in ihrer Schlafphase zu stören, bevor er sich erinnerte, dass das für Universitätsangestellte eine durchaus angemessene Zeit war und zwar fast die Mitte der Arbeitszeit. Sicherheitshalber fragte er: "Hab ich dich in deinem Mittrhythmus im Schlaf geweckt?"

Ming zu müde um zynisch zu werden schüttelte nur den Kopf und gähnte: "Aber in meine Akademikerrhythmus das Ende meines Schlafes geraubt."

Sie bedeutet ihm mit einer Handbewegung ihr in das Apartment zu folgen. Riano hob abschätzig die Augenbrauen. Akademiker und ihre Disziplinlosigkeit; vollkommen unverständlich, wie diese Menschen die Nation vorantreiben sollten, wo sie selbst doch eher umherzutreiben schienen. Riano schob seine alt erlernten Militärsvorurteil beiseite und folgte Ming in die Küche, die in schlichten weiß und Glas gehalten war mit vielen Rundungen an Schränken und Griffen aber an jedem freien Fleckchen eine andere Sorte von Pflanzen beherbergte. Eine bordeauxrote Kletterpflanze hatte die gesamte Hinterwand hinter dem Tisch erobert, davor zu beiden Seiten standen zwei kleine Bäume, einer fleischig türkis, der andere nadelig bläulich. Von der Decke in weißen Töpfen hingen unterschiedliche Blumen und Hängegräser mit kleinen Früchten oder Nüssen herab und oben auf allen Schränken standen weitere Exemplare. Diese Küche hatte wirklich mehr etwas von einer botanischen Ausstellung. "Kofee?" fragte Ming, die sich inzwischen an dem kleinen weißen Heißgetränkeautomaten auf dem Kühlschrank zwischen einer violetten Winzlingspalme und einer roten Blume zu schaffen machte. Riano mit einem genauen Blick erkannte, dass sie echte Körner eingefüllt hat statt der Sythikofikügelchen und bestätigte mit einem freundlichen "mhm".

Ming mit der Maschine beschäftigt fragte: "Okay noch mal kurz, damit ich weiß, dass ich nicht noch träume: Was genau machst du hier? Du solltest irgendwo auf irgendeinem netten Kreuzer mitten im All sein."

Riano setzte sich, nachdem er eine Ranke der Kletterpflanze von der Lehne des Stuhls entfernt hatte, an den Küchentisch und antwortete: "Naja ich wurde befördert. Aber naja aber du möchtest sicher nicht mit den Details zu meiner ehrenhaften Beförderung zum Kaptain gelangweilt werden."

Mit diesem Satz hatte Riano tatsächlich den gewünschten Effekt erzielt und Mings Neugier durch die Erwähnung des militärischen Ranges und dem militärischen Konzept von Ehre auf ein Minimum reduziert. Sie glückwünschte nur schnell: "Oh Kaptain, klingt wichtig. Na dann Glückwunsch, Kaptain." Wobei es ihr nicht wirklich gelang das Wort "Kaptain" wichtig klingen zu lassen.

"Und warum bist du hier? Oder ist das eigentlich für dich normal, das du mitten aus dem Vakuum ohne Vorankündigung auftauchst?" fragte sie weiter und kam mit zwei Tassen einer starkkoffeinhaltigen violettschwarzen Flüssigkeit zum Tisch.

Riano blickte in ihre Augen um zu ergründen, wieviel er ihr preisgeben konnte: "Ich brauche deinen naturwissenschaftlich Rat."

Ming war ganz Ohr: "... Und worin genau?"

Riano räusperte sich: "Ich muss wissen, welche Auswirkung Amotein auf Menschen hat und ob Amotein auch Menschen empfindungsstärker machen kann und ob dass alle Bereiche betrifft."

"Amotein auf Menschen?" Ming war verwirrt und krammte in ihren Erinnerungen. Riano trank einen Schluck. "Wie kommst du drauf?", fragte Ming.

Riano setzte die Tasse ab und antwortete: "Nun, ich bin einer Droge auf der Spur, die menschliche Emotionen unterdrückt, und ich suche auch ein Gegenmittel. Aber das ist streng geheim und ich spreche auch nur mit dir weil, ich weiß, dass du fähiger bist als alle militärisch zur Verfügung stehenden Kräfte und vor allem ich dir vertrauen kann."

Denn Riano wusste, dass Ming genau wie Raylee fühlen konnte. Ming überlegte: "Okay, ich weiß aus den Anfangszeiten der Kolonialisierung gab es mal einen ziemlich irren Wissenschaftler, der auch einfach verschollen ist, man vermutet von Furian getötet, der darüber mal eine Studie gemacht hat. Also seiner Studie zu folgte,- wobei die Glaubwürdigkeit dieser Quelle angezweifelt sei-, enthält Amotein sozusagen Prohormone, oder Bausteine, die leicht in Hormone zerlegt oder zusammengebaut werden können, dadurch kann ein Überschuss an Hormonen bei Menschen eintreten, bei gesunden Menschen führt das zu rational unkontrollierbaren Emotionsausbrüchen bei einer Überdosis, darunter wird die emotionale Reaktion stark verstärkt. Ich weiß noch in der Studie stand ein Vermerk: Bei bedachter Verwendung und geringer Dosis kann es auch einfach emotional feinfühliger machen, aber es besteht eine psychische Abhängigkeitsgefahr. Meiner Meinung nach braucht der Mensch solche Ticks nicht, schließlich hat der von Natur aus alle Emotionen im ausreichenden Maß, anders als die Furiaarbeiterinnen. Aber gegen so eine Droge könnte es helfen."

Riano war begeistert und seine Augen funkelten: "Sehr gut! Kannst du mir die Studie zeigen? und..." er stockte , "hast du Zugang zu Amoteinproben?"

Ming trank und nickte selbstverständlich. Riano lächelte, das war alles sehr gut, er und Raylee würden diese ganze Verschwörung aufdecken können. Er trank noch einen Schluck und blickte auf das Band um sein Handgelenk. Ming schien noch nichts zu wissen. Er sollte es ihr sagen, aber er konnte nicht um Hikari nicht zusätzlich zu gefährden und das Interesse der falschen Leute anzuziehen, bevor er ihr helfen konnte. Es musste geheim bleiben, dass sie da draußen war. So gerne er auch Ming einweihen wollte, aber das war nicht seine Entscheidung sie einzuweihen, auch wenn es hart war. Er musste Hikari schützten und sie von der Cybergefahr befreien, wenn er nur irgendwie konnte.


Tailor lag auf seinem Schlaflager auf den Wollfasern, in den er sich des Nachts zwecks Wärmedämmung einhüllte. Natürlich befanden sich in dem Zimmer noch drei weitere allerdings unbelegte Lager, da Furia also Gemeinschaftswesen niemals alleine lebten. Von dem Waschbecken rieselte das Wasser weiter hinab in den Abfluss, um als Energie weiter genutzt zu werden. Das Dämmerlicht hüllte den Raum in ein trübes blaugrau, da Tailor keine Anstanden machte aufzustehen und von der phosphorhaltige gelbliche Flüssigkeit etwas in die Schale zu füllen, die durch eine kontrollierte Oxidation und das Phosphor für Stunden leuchten würde. Er seufzte und starrte durch das sechseckige Fenster auf den blinkenden Wald dort draußen über den die Dämmerung sank. Er blickte auf den roten Stern in seiner Hand, eine Art Wurfstern, auf dem in einer kritzeligen tiefblauen Schrift stand: "Pass gut auf den Planeten und auf dich auf, Tailorlein. Ps.: Du lässt dich davon doch nicht aufhalten." und eine gemalte Blume. Diese Wurfsterne waren Reffs Lieblingsart eine Nachricht zu hinterlassen. Reff war vor ein, zwei Stunden mit diesem Raumschiff aufgebrochen ein Schiff zu suchen. Tailor seufzte. Was hieß bitte aufhalten? Er hatte es ja nicht einmal vor. Eigentlich verstand er Sìrshê nur zu gut. Jede Tat verlangte seinen Preis. Sie hatten sich beide einem höheren Ziel hingegeben und für persönliche Interessenskonflikte blieb ihm da kein Platz, auch wenn Reff das nicht gelten ließ. Die Holzglocke am Eingangsvorhang schlug. Tailor setzte sich auf und starrte durch das Dunkel zur Tür. Eine Arbeiterin kam herein und, da sie mit Geruch und Gehör deutlich besser wahrnahm als ein Mensch, bermerkte sie: "Tschachitlar, tzì tzù ŝ."(Hier bist du Tailor) und fügt hinzu, weil sie Tailors besorgten Geruch wahrnahm: "Tzì shê ŝ ch? `sś sù ch?"(Geht es dir gut?)

Tailor erkannte die Stimme und antwortete lächelnd: "Sìrshê. Sh shê ŝ. Zù fîr ts. Keine Sorgen!"(Sìrshê, es geht mir gut, habe keine Angst.)

Sìrshê kam durch die Dunkelheit, an der sie sich kaum störte, zu ihm hinüber. Sie fragte nach Reff: "Reff tzùch ŝ." (Wo ist Reff jetzt?)

"Wieder im All, irgendwo", antwortet Tailor und lächelte schief in die Dunkelheit und fühlte eine süße Nervosität, die ihn ergriff, als sie immer näher kam, und dachte verzweifelte: "Wenn sie es nur irgendwie wahrnehmen könnte, dann wüsste sie jetzt Bescheid."

Sìrshê erklärte den Grund ihres Kommens mit der höflichen Frage: "Tzì z sh sítlê sí ts ch." (Wollen wir nicht essen?)

Natürlich wollte Tailor liebend gern mit ihr essen und summte zustimmend. Sìrshê führte ihn hinaus auf den Markt, zwischen desen Ständen es wie immer wimmelte. Sìrshê steuerte einen Stand mit gebratenen Fleischfruchtpfladen an und bestellte zwei, bestrich sie mit einer süßen würzigen Honigmussoße und gab dem wartenden Tailor eine und nahm die andere. Bezahlen war Shìrsìr fremd, da sie sich als Familie sahen. Nur zwischen Staaten hatte es in alten Zeiten Handel gegeben, doch Geld hatten sie nie erfunden, was auch klar die zivilisatorische Unterlegenheit und Unterentwicklung der primitiven Spezies zeigte.

Sìrshê und Tailor stiegend plaudernd, sich in Visionen von einer besseren Welt überbietend, scherzend und lachend eine Treppe um den Baumstamm hinauf, die von leuchtenden extrakultivierten Bakterien in Bahnen durchzogen und beleuchtet wurde. Sie gelangten in einen Park einige Ebenen höher und setzten sich auf einen breiten Zweig und sahen in das Lichttreiben unter ihnen. Tailor ließ die Beine baumeln und biss herzhaft in den Fladen. Sìrshê betrachtet ihn bewundernd von der Seite, sein energisches Handel und seine warme Art beeindrucketen sie tief, sie lächelte, klappte ihren Fladen zusammen und tat es ihm gleich. Tailor blickte in den blinkenden Wald und seufzte: "Das ist wunderschön! Deine Familie ist wundervoll. Ich wünschte alle Menschen würden das sehen können."

Sìrshê summte zustimmend und zischte: "Sìr, z rchr ds dsûdsi ŝ. shìr dck msêch sìrlû s` sìr chí shìrdsû sùsí." (Es war ist und wird so sein. Auch Menschen können liebenswert sein. Wir alle sollten der Welt helfen, eine Familie zu werden.)

Tailor nickte und lächelte Sìrshê an: "Lass uns dem Planet den Frieden und die Freiheit bringen."

Sìrshê summte, ihr fiel ein, dass sie mit Tailor sowieso noch über ihr Gespräch mit der Präsidentin sprechen wollte und es platzte bei den bewegenden Gedanken einfach zusammenhangslos aus ihr heraus: "Ich ckomme mitl!"

Tailor, überrascht, blickte sie einen halben Moment fragend an und jubelte dann auf und umarmte sie vermutlich genauso plötzlich und zusammenhangslos wie sie das gesagt hatte. Daraufhin blickten sie sich beide verlegen, aber glücklich an. "Wenn Reff das wüsste... ", dachte Tailor.


Fortsetzung folgt spätestens im April 2018